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Von der Psychoanalyse handelt zwar nur das letzte Drittel des Buches, gelangt
dabei aber hinsichtlich Freuds Entwicklung und Verhältnis zu seinen Schülern zu Ergebnissen, die Beachtung verdienen. Es wird davon ausgegangen, daß Freud zuvörderst Kliniker war und die Menschennatur lediglich als Psychologe und Mediziner beobachtete, noch keineswegs als Moralist beurteilte (Seite 218). Dabei wurde er zur Annahme einer Polarität Instinkte—Zensur geführt, und nun verfolgt Bloch, welche Erklärungsversuche Freud im Laufe seiner Entwicklung für das Phänomen der Zensur gibt: zunächst aus dem sozialen Milieu, womit er sich der damals herrschenden Soziologie und der Ethnologie der Primitiven, besonders in der Schrift „Totem und Tabu“, anschließt (Seite 223 ff.). In einer mittleren Periode erscheint als Ursache das Über-Ich, dem der Mensch seine Triebe unterzuordnen sucht; in diesem Fortschritt erblickt Bloch eine Verwandtschaft mit Bergsons zwei Quellen der Moral, dem äußeren Druck (pression) der „statischen“ und dem Emporstreben (aspiration) der „dynamischen“ Moral (S. 228 ff.). Die dritte Phase ist dann Freuds Theorie der Sublimation; diese stellt jedoch für Bloch ein tiefes Problem dar, insofern einerseits nicht ersichtlich ist, woher die Autorität der sublimierenden Instanz stammen soll, anderseits die Instinkte sich doch nicht von allein sublimieren können (Seite 237 ff.). Es wird also nicht klar, wie der Antagonismus zu einer Evolution führen könnte (Seite 244). Auch Freuds Schüler bemühen sich immerfort um dieses Grundproblem. So nimmt O. Rank bereits im Einzelmenschen einen bewußten Willen an, der zuerst in der Gestalt des Vaters verkörpert ist und dann in aufsteigender Entwicklung als persönliches Ideal dem Subjekt innerhalb seiner selbst gegenübertritt (Seite 248 f.). A. Adler sucht ebenfalls den Dualismus zu überwinden durch die Annahme einer inneren geistigen Läuterung, bei der Egoismus und Altruismus nur Momente einer aufsteigenden Evolution bilden und die zu einem