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Die Bedeutung des Phänomens der Besinnung ist von der wissenschaftlichen Psychologie bisher noch nicht genügend erkannt und erforscht worden. Man verwechselte sie meist entweder mit der sich an rein intellektuelle Aufgaben bindenden
und einen Sachverhalt vorwiegend punktuell fixierenden Aufmerksamkeitsfunktion oder aber mit gewissen passiven, mehr zuständlichen Vorformen, wie sie uns beispielsweise in der „Meditation“, in der „Besinnlichkeit“, in nur „kontemplativen“ Betrachtungen begegnen. Es ist das Verdienst Gustav Störrings, die Besinnung erstmalig als Sonderphänomen charakterisiert zu haben, das sich von den übrigen Vorgängen, vor allem von der Aufmerksamkeit, der Konzentration, wie auch den Operationen des Denkens deutlich abhebt. In der Besinnung erhebt sich die Persönlichkeit über die Funktion eines nur affektiv-triebhaften Daseins, wie auch über das Denken bloßer Sachbezüge, und zwar durch ihre Stellungnahme in sowohl kritisch-reflektierendem wie auch gefühlsmäßig-wertendem, ja auch willentlich-handelndem Sinn. Die Besinnung stellt einen spontan-produktiven Prozeß dar, der nicht — wie beim Gedächtnis — ausschließlich in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft weisend, jeder echten situations-und persönlichkeitsgemäßen Willenshandlung vorausgeht. Man „besinnt“ sich auf Entscheidungsmöglichkeiten des Verhaltens vor einem wichtigen Willensentschluß: Dabei spielt vor allem die Besinnung in Konflikten der Motive eine ausschlaggebende Rolle. Sie rückt entscheidende Lebenserfahrungen ins Bewußtsein. Eindrucksvolle Situationen werden lebendig, kritische Stimmen vernehmbar, Schlußfolgerungen werden gezogen, gefühlsmäßige Antizipationen werden aktualisiert.
Diese psychokritische Besinnung ist nach Störring nicht bloß ein psychisches Phänomen oder ein gegenständlicher Akt im Sinne Husserls, sondern eine psychische Funktion, die sich üben und entfalten läßt, aber auch wie alle psychischen Funktionen durch Nicht-gebrauch mehr oder minder verkümmern kann.
An psychi