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Die Worte des Fürsten Myschkin in Dostojewskijs Idiot könnten ein Motto zu Seelmanns Buch abgeben: „Einem Kinde kann man doch alles sagen, alles!… Kindern sollte man nichts verheimlichen, wie man es gewöhnlich unter dem Vorwande tut, daß sie zu jung seien, und es für sie noch zu früh sei, etwas zu wissen. Was das doch für eine traurige und klägliche Auffassung ist! Und wie gut es die Kinder begreifen, daß die Eltern sie für zu klein und zu dumm zum Verstehen halten, während sie doch tatsächlich alles verstehen!“
Wie wenig die Erwachsenen diese Forderung des Dichters bisher beherzigt haben, sehen wir aus einer vom Verfasser angeführten Statistik, nach der etwa 80 % Eltern sich zwar für eine elterliche Aufklärung der Kinder aussprechen, de facto aber nach wie vor etwa der gleiche Prozentsatz Kinder von der „Gasse“ seine „Aufklärung“ erhält. Die sog. sexuelle „Aufklärung“, ist nur ein schlechter Ersatz für eine situationsgerechte Erziehung und sexuelle Schwierigkeiten sind nie isoliert vorhanden, sondern stets Ausdruck einer Schwierigkeit der Gesamtpersönlichkeit gegenüber der Mitwelt. Das Versagen vieler Eltern beruht auf der Tatsache, daß sie eigene Kindheitserlebnisse auf diesem Gebiet nicht richtig verarbeitet haben, die sie gehemmt, unfrei und befangen erscheinen lassen, wenn ihre Kinder sexuelle Fragen stellen. Seelmann ist Lehrer, und so gibt er bis ins Einzelne gehende praktische Anweisungen für eine entsprechende Unterhaltung zwischen Eltern und Kind, die jeder hier Ratsuchende mit größtem Gewinn lesen wird. Er betont jedoch,