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Die Verfasser unterscheiden drei verschiedene Wirkungsmechanismen bei der Entstehung psychosomatischer Erkrankungen: 1. Allgemeine Störung im Gleichgewicht zwischen Individuum und Umgebung (Homeostatis im weitesten Sinne des Begriffes); 2. Bildung pathologisch bedingter Reflexe (im Sinne von Pawlow bis Wolff); 3. Die psychosomatische Störung als symbolischer Ausdruck. Bei diesem dritten Mechanismus ist die Persönlichkeit auf einer höheren Ebene beteiligt als bei den beiden vorhergehenden.
Als Beispiel für das Beteiligtsein aller drei Mechanismen wird ein Fall von Erbrechen während der Menstruation gewählt. Es kann sich dabei erstens um eine allgemeine Angstreaktion bei einem jungen Mädchen handeln, das durch den Vorgang bei fehlender vorhergehender Aufklärung abnorm erschreckt ist. Oder es liegt zweitens die Wirkung eines bedingten Reflexes vor, das Erbrechen tritt als Antwort auf jedes abdominelle Unbehagen auf. Drittens kann das Erbrechen symbolischer Ausdruck für die Ablehnung der Menstruation darstellen.
Die Enuresis kann als gutes Beispiel für eine häufige psychosomatische Krankheit der Kindheit herangezogen werden. Akzeptiert man die Auffassung, daß die Kontrolle der Blase gleichsam nur ein Nebenprodukt der gelungenen Reifung während der drei ersten Stadien menschlicher Entwicklung ist, dann bestünde die Prophylaxe lediglich in einer Führung des Kindes durch diese Entwicklungsjahre, die ihm die normalen Reifungsvorgänge ermöglicht. Vor dem vollendeten fünften Jahr sollte auch gar nicht von Enuresis gesprochen werden, sondern nur von einer verzögerten Beherrschung der Blasenkontrolle.
Als typische psychosomatische Erkrankung des Reifungsalters wird die besonders bei Mädchen häufige Fettsucht angeführt. Das Syndrom soll sich nach Ansicht der Verfasser unter folgender typischer Konstellation entwickeln: Ein Kind mit starker Libido (Bayer und Reichardt) wächst in einer Familie auf, in der eine dominierende, überängstliche Mutter keine andere libidinöse Befriedigung