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Im Jahre 1905 war Sigmund Freud in seinen drei Abhandlungen zur Sexualtheorie zum ersten Male in der Geschichte der modernen Psychopathologie das Unternehmen geglückt, sämtliche Erscheinungen der sexuellen Abirrungen von einem einheitlichen Gesichtspunkte aus erklären zu können. Seit dieser Zeit ist die wissenschaftliche Literatur zusehends reicher an theoretischen Erwägungen über das Wesen der sexuellen Perversionen geworden. Insbesondere wurde der Sadismus, den schon Freud als die bedeutendste und häufigste aller Perversionen gekennzeichnet hatte, auf immer neue Ursachen oder Entstehungsbedingungen zurückzuführen versucht. Die große Zahl theoretischer Arbeiten steht jedoch in einem auffallenden Mißverhältnis zu der Seltenheit eingehender kasuistischer Veröffentlichungen. Und doch wäre nichts mehr vonnöten als möglichst zahlreiche Darstellungen, in denen die unmittelbar gegebenen, konkreten Phänomene selbst in zureichender Ausgiebigkeit zu Worte kämen. Denn sie allein böten uns die Möglichkeit, die erklärenden Hypothesen auf ihren Wirklichkeitsgehalt hin prüfen zu können. Darum wird hier die Psychoanalyse eines Sadisten so ausführlich beschrieben werden, als es der Rahmen einer Zeitschrift nur immer zuläßt. Gerade eine Psychoanalyse bringt ja, weil sie an sich nichts anderes als eine minutiöse und umfassende Selbstaussprache und Selbstfindung menschlichen Daseins ist, wie kaum eine andere Untersuchungstechnik die Erscheinungsformen eines sadistischen Menschen mit unübertrefflicher Deutlichkeit und Prägnanz an den Tag. Zudem wird sich im Verlaufe einer solchen Darstellung