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Als Freud im hohen Alter in seinen Werken gelegentlich darüber klagte, daß die Psychoanalyse, „die doch bald erkannte, daß sie alles seelische Geschehen über dem Kräftespiel der elementaren Triebe aubauen müsse“2, immer noch die Frage zu stellen genötigt war, ob die letzte erarbeitete Konstruktion einer Trieblehre sich „als brauchbar erproben“3 werde, ob nicht die hypothetischen Trieblehren auf „dunklem Grundbegriff“4 aufgebaut, schließlich bloß mythologischer Natur seien — da mag den greisen Forscher oft eine Anwandlungen überkommen haben wie den alten Faust oder wie Sokrates, die letztlich bei allem Wissenszuwachs schmerzlich empfanden, daß, je mehr sie wußten, sie desto mehr erkennen mußten, wie wenig sie wußten.
„Kein Bedürfnis wird in der Psychologie dringender empfunden“, sagte Freud noch in seiner „Selbstdarstellung“5, „als das nach einer tragfähigen Trieblehre, auf welcher man weiterbauen kann. Allein nichts dergleichen ist vorhanden, die Psychoanalyse muß sich in tastenden Versuchen um eine Trieblehre bemühen“.
Und einige Jahre vor seinem Tode, hart an der Schwelle weltbewegender Umwälzungen, erschien ein Werk Freuds, in dem er die Trieblehre sogar als „sozusagen unsere Mythologie“ bezeichnete und meinte: „Die Triebe sind mythische Wesen, großartig in ihrer Unbestimmtheit. Wir können in unserer Arbeit keinen Augenblick von ihnen absehen und sind dabei nie sicher, sie scharf zu sehen.“
Die „Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“, worin diese Worte in der Vorlesung „Angst und Triebleben“ stehen6, erschien im Dezember 1932, im selben Monat wie mein erster „Versuch eines Ausbaues der Trieblehre Freuds“7, den Freud einige Wochen vor unseren. gleichzeitigen Publikationen über Triebprobleme kennen lernte. Er schrieb mir damals, daß er meine Ausführungen für bedeutsam halte, jedoch nicht