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Nichtwissen für Wissen achten, ist Leiden, Nur wer an seinem Leiden leidet, wird frei von Leiden.
In früheren Zeiten war man geneigt, Geistes- und Nervenkrankheiten als von den normalpsychologischen qualitativ verschiedene Zustände aufzufassen, indem man zum Beispiel die Patienten als „vom Teufel besessen“ hinstellte, meinte, daß „böse Geister ihre Wohnung in ihnen aufgeschlagen hätten“ usw. Selbst längst nachdem solche magischen Anschauungen aufgegeben waren, hat doch vielfach weiterhin eine Tendenz bestanden, den Geisteskranken als wesensverschieden vom Gesunden anzusehen.
Obgleich die Ärzte dauernd einer solchen primitiven „metaphysischen“ Auffassung der Geisteskrankheiten entgegenarbeiteten, scheinen diese Bestrebungen erst in allerletzter Zeit Frucht getragen zu haben, und dies besonders, nachdem Freuds und Kretschmers Beobachtungen anfingen, mehr und mehr durchzudringen und sich sogar einen Weg über den engen Kreis der Fachleute hinaus zu bahnen.
Freud behauptet so auch verschiedene Male in den „Gesammelten Schriften“, daß Geisteskranke nicht anders als nur quantitativ verschieden von geistig Gesunden betrachtet werden können, indem, wie er sagt, sich die Kranken mit genau denselben Problemen und Schwierigkeiten herumstreiten, „mit denen auch wir Gesunden kämpfen“. Er denkt an der betreffenden Stelle gewiß besonders an die Neurosen, aber spätere Untersuchungen stellen eine ähnliche, rein quantitative Betrachtung auch in bezug auf die Psychosen auf, besonders nachdem die Lehre von den Regressionen allmählich immer mehr ausgebaut worden ist. Nach Freud haben eigentlich alle Menschen Verdrängungen und Komplexe, Hemmungen und Regressionen, bloß ist das ökonomisch-dynamische Gleichgewicht zwischen den in diesen psychischen Bildungen verwendeten Energien und den freidisponiblen bei den Normalen noch so günstig, daß der Lebenslauf nicht nennenswert davon affiziert wird. Es kommt daher nicht zu Symptombildungen sensu stricti