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Schon S. Freud hat erkannt, daß die psychoanalytische Beschäftigung mit der Musik von hohem Interesse ist, im einzelnen hat er sich aber, als Nichtmusiker, auf einige wenige Hinweise beschränkt. Die psychoanalytische Literatur über Musik ist bis heute spärlich geblieben. A. Michel bringt in seiner 1951 veröffentlichten „Psychoanalyse de la Musique“ ein vollständiges Register der bis dahin in französischer Sprache erschienenen Arbeiten: es umfaßt sechs Titel. Im englischen Sprachgebiet sind die Verhältnisse ähnlich, im deutschen nicht viel besser. Hauptwerke sind das von D. Mosonyi2, das von A. Pontvik „Grundgedanken zur psychischen Heilwirkung der Musik“, Zürich 1948, und das soeben zitierte von A. Michel, Paris. Schon nach der allgemeinbiologischen, auf Darwin zurückgehenden Lehre ist Musik nichts anderes als eine Äußerung des Lebensgefühls, insbesondere des sexuellen. Weitverbeitet ist auch die Meinung, das Musizieren wie das Kunstschaffen überhaupt sei lediglich eine hochwertige Verarbeitung von (Sexual-)Konflikten. „Jedes Werk, vor allem jedes offensichtlich künstlerische, ermöglicht eine Befreiung von unbewußten sexuellen und aggressiven Phantasien“ (Hendrick). „Alle Musik ist eine Sublimation von Komplexen; man kann jedoch den Akzent auf Sublimation oder auf Komplex legen“ (Michel). In jedem Fall gewährt das Musizieren, nach Ansicht der Analytiker, die narzißtische Selbstbefriedigung des Wunsches, (sexuell) wieder als ein Kind spielen zu können. Gewiß nicht nur das, denn „wenn man Musik unter Sexualität begreifen wollte, so würde eine derartige Terminologie dazu führen, den Kölner Dom bei der Mineralogie abzuhandeln, weil er auch aus Steinen besteht“ (C. G. Jung). Das Kunstwerk kann auch aufgefaßt werden als ein Kind des Schmerzes, das das im Innern des Künstlers sich abspielende Drama verwandelt und verschönt vorführt. Kunstschaffen ist mithin ein echter Sublimierungsprozeß,