You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Bevor Geza Roheim zu seiner anthropologischen Feldarbeit aufbrach, besuchte er Freud und erzählte ihm, Malinowski habe bei den Trobriand-Insulanern keine Analerotik gefunden. Darauf Freuds erstaunte Antwort: „Was, haben denn die Leute keinen Anus?“ „Well, they have one“, konnte Roheim feststellen. Auch in jeder anderen Hinsicht, scheint es, fand er in seiner anthropologischen Feldarbeit das, was er bereits kannte: den Ödipus-Komplex samt psychoanalytischem Zubehör. Ein Kolumbus, der ein bereits vertrautes Amerika entdeckt.
Roheim berichtet im ersten Teil des Buches über zwei Kulturen, die er selbst an Ort und Stelle studierte: den zentralaustralischen Stamm der Aranda und das Inselvolk der Normanby im westlichen Pazifik. Ferner analysiert er fünf Kulturen, die bereits von anderen Anthropologen erforscht wurden, die Alor (Kleine Sunda-Inseln), die Alor (nordamerikanische Indianer), die Kaingang (Brasilianischés Hochland), die Marquesas (Polynesien) und die Navaho (Arizona). In seinen Studien und Analysen versucht er die Universalität des Ödipus-Komplexes zu erweisen. Es gibt, schreibt er, nur ein Unbewußtes. Die urethrale Traumsymbolik etwa eines Navaho-Indianers „is exactly the same as in the dreams of any European or American patient“ (S. 13). Zur Stützung dieser These läßt Roheim ein immenses Material an Träumen, Liedern, Märchen, Volksbräuchen, an Mythologien und Dichtungen am Leser vorbeiziehen, die alle das enthüllen, was jeder Psychoanalytiker bereits weiß. Schließlich analysiert er zwei berühmte Werke der Weltliteratur, das philosophische Drama „Die Tragödie des Menschen“ des Ungarn Madach und Goethes „Faust“. Mephisto verkörpert darin für Roheim das Überich und „die Faustische Rastlosigkeit bedeutet, daß die Menschheit ewig in der Lage ist, neue Ideale zu erfinden, um den Uberich-Druck abzuwehren; wenn dem Menschen dies nicht mehr gelingt, ist er verloren“ (S. 486). Mit seiner These von der Universalität des Ödipus-Komplexes wendet sich Roheim gegen die Lehre