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Das Buch beginnt mit einer getreuen Wiedergabe der „Drei Abhandlungen zur Sexualthéorie“, wobei es sich sowohl in den Ergebnissen wie in der Darstellung bis in Einzelheiten der Freudschen Konzeption anschließt. Es gibt uns damit, wie in den folgenden Kapiteln, z. B. „Über die weibliche Sexualität“, „Über die Aggression“, eine gedrängte und formvollendete Zusammenfassung der frühen psa. Libidotheorie, wobei die Todestriebe und der Narzißmus im Mittelpunkt stehen. Schön ist es, in der luciden Sprache französischer Geistigkeit den alten wegleitenden Grundthesen wieder zu begegnen: der klaren Herausarbeitung des Gegensatzes zwischen Normalität und Perversion (charakterisiert durch die Unterscheidung zwischen Vorlust und Endlust bei der nicht auf Coitus gerichteten sexuellen Annäherung und Betätigung des Erwachsenen); der Bestimmung der Perversion als Kehrseite der Neurose; der Betonung der kindlichen Sexualität, resp. deren Berechtigung; ihrer Umformung in der Pubertät u. a.
Marie Bonapartes Ziel ist es, das Freudsche Gedankengut für die Erziehung nutzbar zu machen und für die Neurosen-Prophylaxe einzusetzen. So sehr dieses Ziel als solches selbstverständlich nur zu begrüßen ist, so kann man sich doch der Frage nicht erwehren, weshalb die Autorin wohl bei der rein biologischnaturwissenschaftlichen Konzeption stehen geblieben ist, resp. sich damit zufrieden gibt. Wenn auch das französische „instinct“ viel eher mit dem deutschen Begriff „Trieb“ als mit „Instinkt“ sidi deckt, so vermißt man doch bei einer heutigen „Einführung in die Trieblehre“ die Einbeziehung der Trieb- und Instinkt-Arbeiten der letzten Jahrzehnte, die gewiß auf Freud basieren, aber doch weiterführendes Material bringen. Ebenso dürfte wohl eine heute veröffentlichte Triebtheorie an einem derart weite und neue Aspekte eröffnenden Werk — als Beispiel sei nur die Beleuchtung der Perversion erwähnt — wie dem Kinsey-Report nicht vorbeigehen. Besonders bedauerlich erschien der Referentin während des Lesens, daß