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Jakobsohn, H.: Das Gespräch eines Lebensmüden mit seinem Ba. Der Berliner hieratische Papyrus 3024, das „Gespräch eines Lebensmüden mit seiner Seele“ (durch den Ägyptologen Erman 1896 erschlossen) galt lange als eines der dunkelsten und unzugänglichsten Dokumente der ägyptischen Literatur, sowohl in Hinblick auf die Schwierigkeiten der Übersetzung als auch der Sinndeutung des Inhalts. Auch die von Scharff 1937 gegebene neue Übersetzung mit Kommentar vermochte nicht in voll befriedigender Weise Licht in die Rätsel dieses Dokumentes zu bringen, das doch durch seine eigenartige Thematik eine ganz besondere Faszination ausüben mußte.
Der Dialog ist zu Ende des dritten Jahrtausends, also in einer Zeit schwerster politischer und religiöser Umbrüche in der Geschichte des ägyptischen Reiches, entstanden. Ein frommer, im Untergang aller bisher gültigen sittlich-religiösen Gesetze und Wertungen verzweifelnder Mensch will freiwillig aus dem Leben scheiden und gestaltet sein inneres Zweifeln und Ringen vor diesem Schritt in Form eines Zwiegesprächs mit seinem Dämon, seiner Seele, seinem „Ba“. Die scheinbare Inkonsequenz des Ba im Verlauf dieser Auseinandersetzung wie überhaupt das Spröde vieler Partien legten einer einheitlichen Erfassung bisher die größten Hindernisse in den Weg, die man durch alle möglichen Konstruktionen zu meistern versuchte, so etwa, wie Scharff es tat, durch die Annahme, es handle sich in dem Dialog um den Kampf zweier damals aufeinanderprallender Weltanschauungen. Doch mußte solchen Konstruktionen etwas Künstliches und Gewaltsames anhaften.
Eine erstaunliche neue Sicht des hochbedeutsamen und vielumstrittenen Dokumentes eröffnet nun H. Jakobsohn, der als erster mit tiefenpsychologischer Schau an das Material herantrat. Er vermittelt uns ohne jeden sprachlichen oder grammatischen Zwang den überwältigenden Eindruck eines „Individuationserlebnisses“ vor mehr als 4000 Jahren, der persönlichen und bewußten Selbstfindung eines Menschen in einer Zeit, in der der