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Die bekannte Psychotherapeutin bringt uns hier aus dem Bereich der psychotherapeutischen Praxis Ergebnisse einer reichen Lebenserfahrung, weniger für den Fachmann, als für jeden, der aus irgendwelchen Gründen auf die Frage der Erkrankung und Gesundung der Seele aufmerksam geworden ist und unvoreingenommen nach dem Wesen der Neurose und ihrer Heilung fragt. Dabei hat sie, wie sie in der Einleitung betont, den Schwerpunkt ihrer Fragestellung stets im anthropologischen, existentiellen und religiösen Aspekt (im weitesten Sinne) der psychotherapeutischen Problematik erblickt. Den genetischen Gesichtspunkt, den die Psychoanalyse früher allein berücksichtigte, hält die Verfasserin keineswegs für unbeachtlich, fußt aber im wesentlichen auf den Erkenntnissen ihrer Lehrer Jung und Künkel. Deren Gedankengänge haben sich ihr in der Praxis bewährt. Aber der Wert des Buches liegt gerade darin, daß die geistvolle Darstellung sich durchweg auf eigenes Erleben gründet und vom Ethos eines warmherzigen Verständnises getragen wird.
Im ersten Teil behandelt die Vf. die Probleme der Psychotherapie in vier Kapiteln. Das erste Kapitel „Der ermöglichende Raum“ schildert die Art, wie das Kind auf eine bestimmte, schicksalsmäßig gegebene Situation, in die es hineingeboren ist, reagiert, schon vom ersten Lebenstage an auf sie „antwortet“. Die Bedeutung der Mutter wird in diesem Zusammenhang eindrücklich hervorgehoben.
Im zweiten Kapitel „Vom Wesen der Neurose“ zeigt sich uns die Neurose als „Hadern gegen die Grundbedingungen“ des Menschen in der Welt. Die Gesundheit im Sinne des Erwachens zu sich selbst ist ein Schöpferischwerden an den Grundbedingungen; die Vf. nennt es das transzendierende Vertrauen. Die Neurose ist eine Erkrankung des Menschen an seinem Menschsein und bedeutet das Scheitern an den Grundbedingungen, ja im Grunde ein Hadern mit Gott. Der Unterschied zwischen dem Hysteriker („die Grundgeste seines Inder-Weltseins ist die der Bemächtigung“)