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Wer die Schrift Ewalds „Die Grenzen der Psychotherapie“ in der Hoffnung zur Hand nimmt, eine sachgerechte und kritische Auseinandersetzung, die dem heutigen Stand der Tiefenpsychologie gerecht wird, zu finden, sieht sich enttäuscht. Nachdem sich die Erwartungen Hoches und Bumkes, daß es sich bei der Psychoanalyse um eine Modetorheit handele, nicht erfüllt haben und nachdem sich die Tiefenpsychologie 50 Jahre in der Welt nicht nur behauptet, sondern weiterentwickelt und konsolidiert hat, kann man auch von den Kritikern verlangen, daß sie sich ernsthafter als vor 30—40 Jahren um den kritisierten Gegenstand bemühen und auf bestimmte methodische Voraussetzungen Rücksicht nehmen. Ich möchte annehmen, daß ein Psychiater allmählich in Verzweiflung geriete, wenn heute ein Skeptiker der neunziger Jahre auferstünde und die syphilitische Genese der Tabes bezweifelte — ohne anzugeben, ob er Liquoruntersuchungen kennt. Es ist für den Psychotherapeuten nachgerade ermüdend, sich immer wieder mit Kritikern auseinanderzusetzen, die die notwendige Methodik nicht beherrschen und es außerdem vorziehen, psychoanalytische Positionen von 1910 zu kritisieren, statt sich an den heutigen Stand der Wissenschaft zu halten.
Ewald beruft sich wiederholt auf seine „Erfahrungen“, ohne auch nur mit einem Wort die Methodik seiner Erfahrungen mitzuteilen. Der Mangel sachgerechter Erfahrungen erklärt es dann auch, daß der Autor — wie er angibt — noch nicht erlebt hat, daß einem Kind eine Kastrationsdrohung gesetzt worden sei. Selbstverständlich kann man Häufigkeit und Gewicht von Kastrationsdrohungen in der Genese von Neurosen in Frage stellen. Wer aber ihr Vorkommen überhaupt leugnet, macht seine Untersuchungstechnik fragwürdig und schränkt die Kompetenz seines Urteilens ein.
Man kann sich fragen, warum sich Ewald überhaupt mit der Psychotherapie auseinandersetzt. Nach seiner Meinung ist „die Psychotherapie keine Erfahrungswissenschaft“. Sie hätte damit aus dem Bereich der Naturwissenschaft auszuscheid