You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Was für Marx die Klassen voneinander unterschied, war ihr Anteil an den vorhandenen Produktionsmitteln. Daher die Klassen der Kapitalisten und Proletarier. In bestimmten Zusammenhängen spricht er zwar noch von Kleinbürgertum, Lumpenproletariat und dgl. als selbständigen Klassen, aber letztlich blieb für ihn die wirtschaftliche Situation des Einzelnen das wesentliche Kriterium seiner Klassenzugehörigkeit. Den modernen amerikanischen Untersuchungen über das Klassenbewußtsein, in deren Reihe die vorliegende Studie gehört, dient dieses Kriterium nicht mehr als Ausgangsbasis. Denn diese Untersuchungen versuchen von der Klasseneinstufung auszugehen, wie sie wirklich in den Köpfen der einzelnen Gesellschaftsglieder vorhanden ist. Mit großen Arbeitsteams wurde vor allem von Warner, Gardner, Davis, Lynd und Dollard die Bevölkerung ganzer Kleinstädte durchinterviewt. Durch Fragebogen und persönliche Gespräche ging man darauf aus zu erfahren, wie der einzelne Bürger jeweils sich selbst und seine Mitbürger nach sozialem Rang einstufte und ein spezifisches Klassenbewußtsein empfand. Die Mitbürger wurden ihrerseits befragt und damit die Angaben gegenseitig kontrolliert. Erst sekundär wurden die Kriterien ermittelt, die dieser Einordnung zugrunde lagen wie Vermögen, Beruf, Bildungsgrad, weltanschauliche Orientierung (d. h. „the way the person feels and believes about certain things“) usw. Als Folge dieser Forschungen spricht man heute in der amerikanischen Soziologie von drei Hauptklassen (upper, middle und lower class), die weiter in insgesamt sechs Unterklassen aufgeteilt werden (upper upper, lower upper, upper middle, lower middle, uper lower, lower lower class). Die Übergänge sind dabei oft fließend, aber annähernd wird die vorhandene soziale Schichtung durch diese Einteilung erfaßt. Die Schichtungskriterien variieren dabei von Gesellschaft zu Gesellschaft. Die unterschiedliche Psychologie der so ermittelten Klassen spiegelt sich nun in zahllosen Lebensäußerungen der einzelnen