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Es wird heute in Deutschland viel über Jugendkriminalität gesprochen, aber leider heißt das nicht, daß viel über sie bekannt sei. Welchen Umfang nimmt sie ein, wo liegen ihre wichtigsten Ursachen, mit welchen Mitteln versucht man, sie einzudämmen? Es würde schwerfallen, auf solche Fragen einigermaßen befriedigende Antworten zu finden, denn es ist bei uns bisher nur wenig geschehen, um diese Probleme systematisch zu erforschen.
In Amerika scheint man mehr bemüht zu sein, den Fragen der Jugendkriminalität nahezukommen. Uns liegt die umfangreiche Untersuchung M. H. Neumeyers vor, in der versucht wird, das gesamte Gebiet in Form eines Lehrbuches zu behandeln: Es umreißt die Bedeutung und das Ausmaß der Jugendkriminalität in der modernen Gesellschaft, die Bedingungen und Ursachen ihrer Entstehung und schließlich die gegen sie ergriffenen Maßnahmen.
Es seien hier nur einige Daten über die amerikanischen Verhältnisse wiedergegeben: Etwa 1 % der Sieben- bis Siebzehnjährigen kommen mit den Gesetzen in Konflikt, dabei sind die männlichen Jugendlichen fünfmal so oft vertreten wie die weiblichen. Bis zur Altersstufe der Vierzehn- bis Sechzehnjährigen (die 36 % der Gerichtsfälle ausmacht) kommen bei den Jungen nur selten Delikte vor, und in den älteren Gruppen bleibt ihre Häufigkeit ziemlich konstant. Bei den Mädchen erreicht die Kriminalität in der gleichen Altersstufe dagegen einen ausgesprochenen Höhepunkt (43 % der Fälle) und fällt dann wieder beträchtlich ab. In Gemeinden mit über 250 000 Einwohnern ist die Zahl derer, die sich der gesellschaftlichen Norm nicht fügen, dreimal so hoch wie in Gemeinden unter 10 000 Einwohnern. Diese Angaben entsprechen ungefähr dem, was wir bei einiger Kenntnis der Entwicklungspsychologie erwarten müssen. Es wäre interessant, wenn wir Vergleichszahlen für die deutschen Verhältnisse zur Verfügung hätten.
Weiter untersucht Neumeyer die Frage, ob sich bestimmte Faktoren mit Sicherheit als Ursachen der Kriminalität feststellen lassen. Aber es zeigt