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M. Bleuler und seine Schüler haben sich in den letzten Jahren besondere Verdienste um die Erforschung der erbbiologischen und konstitutionspathologischen Zusammenhänge verschiedener psychiatrischer Krankheitsbilder erworben. Die vorliegende gründliche Studie hat im Rahmen dieser Forschungsrichtung die Alkoholhalluzinose zum Gegenstand, die seit je ein Prüfstein der psychiatrischen Krankheitslehre bildete. Wurde doch diese relativ seltene Erkrankung je nach der verschiedenen Grundauffassung der Schulen einmal dem Formenkreis der Schizophrenien zugerechnet, wobei dem Alkoholabusus gegenüber den konstitutionellen und lebensgeschichtlichen Faktoren lediglich eine auslösende Rolle zuerkannt wurde. Bonhöfer dagegen vertrat die Ansicht, daß die Alkoholhalluzinose eine unspezifisch-toxische Reaktion des Gehirns auf eine akute körperliche Noxe im Sinne seines Reaktionstypus darstelle.
Benedetti prüft diese Frage kritisch und sorgfältig erstmalig an einem umfangreichen Krankengut (113 Patienten und 1289 Verwandte). Verschiedenen seiner Untersuchungsergebnissen kommt eine allgemeinere Bedeutung zu:
Die Alkoholhalluzinose tritt meist in einem Höhepunkt der schon jahrelang zuvor bestehenden schweren Trunksucht in ganz akuter Form auf. Die besonnenen und klar orientierten Kranken leiden vor allem unter lebhafter Angst und unter zahlreichen akustischen Sinnestäuschungen, die bedrohlichen oder diffamierenden Charakter tragen. Meist unterhalten sich die Stimmen, in Chöre geteilt, über den Halluzinanten; die einen machen ihm in Schmäh- und Schimpfreden bitterste Vorwürfe, die anderen ergreifen für ihn Partei. In einer eindrucksvollen Krankengeschichte zeigt der Autor, wie in diesem dramatisierten Konflikt unerfüllte oder verdrängte Triebregungen erotischer und aggressiver Natur einerseits und bisher schwelende Angst- und Schuldgefühle andererseits plötzlich ins Bewußtsein einbrechen und in den Halluzinationen klare Gestalt gewinnen. Im Anschluß daran entwickelt sich ein rasch systemati