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Die auf dem oben genannten Kongreß von Theologen, Juristen, Konstitutionsforschern, Entwicklungsgeschichtlern, Sexuologen, Psychologen und Psychotherapeuten gehaltenen Referate sind nunmehr im von Bürger-Prinz, Hamburg und Giese, Frankfurt a. M. herausgegebenen Organ der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung im Druck erschienen. Bei der Fülle und Vielartigkeit des gebrachten Materials kann ein Referat nicht mehr als nur einen stichwortartig zusammengedrängten Überblick geben. Heft 1, das unter dem Gesamtthema „Über das Wesen der Sexualität“ steht, wird von dem Pastoraltheologen Franz Arnold mit dem Referat „Sinnlichkeit und Sexualität im Lichte von Theologie und Seelsorge“ eingeleitet. Arnold weist nach, daß die der Kirche nachgesagte Leibfeindlichkeit nicht so sehr christlicher, als vielmehr neuplatonisch-stoischer Herkunft ist, einschließlich ihrer Tendenz zur Entwertung der Sinnlichkeit (und des Weibes als deren Inkarnation!), während die Kirche als Vertreterin echter Humanität die Sexualität als solche ausdrücklich bejahe, was mit zahlreichen Zitaten belegt wird. — Der Jurist Bader verteidigt in seinem Beitrag „Sexualität und Rechtsordnung“ die Notwendigkeit der „Negation des Triebhaften als bestimmenden Faktor der Rechtsordnung“, da ohne dieses Prinzip keine Beständigkeit der Rechtsordnung möglich sei. — Giese, der Leiter des Instituts für Sexualforschung in Frankfurt, geht in seinem Beitrag „Die politische Rolle der Frage nach dem Wesen der menschlichen Sexualität“ davon aus, daß der Mensch als soziales Wesen die Partnerschaft braucht; er stellt der Einpartnerschaft der sexuellen die Vielpartnerschaft der politischen Beziehung und Bindung gegenüber, untersucht sie in ihren Übereinstimmungen und Verschiedenheiten, um dann die. Auswirkungen politischer Konstellationen auf die Sexualität eines Kollektivs und die daraus wieder resultierenden politischen Rückwirkungen theoretisch und am praktischen Beobachtungsmaterial der jüngsten Zeit darzustellen. — A. Nied