You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In diesem Buch wird eine neue Theorie für ein altes Problem geliefert. Das Problem lautet: wie weit lassen sich psychologische Vorgänge auf dem Boden neurophysiologischer Prozesse verstehen? Die neue Theorie stellt eine Komplizierung und Verschmelzung bestehender Vorstellungen über die Art der Erregungsübermittlung im Zentralnervensystem dar. Unter anderem soll dadurch verstehbar werden, warum viele eingreifende Hirnoperationen wie Lobotomie und selbst Lobektomie oft auffallend geringe Auswirkungen auf die Intelligenz und das Gesamtverhalten des Patienten zu haben scheinen.
Das sucht Hebb aus den neurophysiologischen Prozessen verständlich zu machen, wie sie sich beim ‚Lernen‘ abspielen. Hierbei müssen wir uns nach Hebb vorstellen, daß sich in Rinde und Zwischenhirn als Folge häufig wiederholter charakteristischer Reize bestimmte Zellvereinigungen (cell assemblies) langsam ausbilden. Diese Zellvereinigungen sind dann wieder sowohl durch sensorische Reize als auch durch andere Zellvereinigungen bzw. beides erregbar. Von einer bestimmten Erregungshöhe an werden motorische Reaktionen ausgelöst. Einen Gedankenablauf muß man sich danach als zeitlich faßbaren Erregungsdurchgang durch mehrere, nacheinander erregte Zellvereinigungen vorstellen. Das nennt Hebb eine Phasenfolge (Phase sequence). Je mehr charakteristische Phasenfolgen sich wiederholen, um so mehr wird für weitere Gedankenabläufe die Richtung vorgebahnt. Dabei bedeutet Vorbahnung eine erleichterte Erregungsmöglichkeit für bestimmte Zellvereinigungen, ein Tatbestand, der nach Hebb die Rolle der Erwartung bei vielen Lern- und Wahrnehmungsvorgängen verständlich macht. Im einzelnen versucht dann Hebb durch Bemerkungen über den Charakter der Synapsen und Zytoarchitektonik der Hirnrinde usw. plausibel zu machen, warum eine bestimmte Art von Intelligenz auch durch Lobo- bzw. Lobektomie nicht zu zerstören ist.
Aus solchen Vorstellungen wird dann weiter eine Hypothese über die wesentlichen neurophysiologischen Grundlagen