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Die Anwendung wissenschaftlicher Methoden auf die Untersuchung okkulter Phänomene, wie sie von Rhine unternommen wurde, wirkt sicher sehr verschiedenartig auf das am Okkulten interessierte Publikum. Dem typischen Spiritisten gefällt sie bestimmt nicht, im Grunde so wenig, wie es einem religiös Gläubigen gefallen würde, wenn jemand sich anschickte, Gottes Einwirkungen mathematisch zu studieren und zu messen. Der zum Okkulten neigende Mensch will gerade die Welt des Gesetzmäßigen nicht, er will das Wunder. Und das will er nicht wissenschaftlicher Kritik und geistiger Gewissenhaftigkeit unterstellt und dann eventuell in die Wissenschaft „aufgenommen“ sehen. Sondern es soll als Wunder über die Wissenschaft siegen, und dabei so bleiben, wie er es liebt: ein Okkultes, d. h.: ein Verborgenes, ein Dunkles. — Der Wissenschaftler andererseits ist als „typischer“ Wissenschaftler am Okkulten wenig interessiert. Er findet an dem Thema als solchem keinen besonderen Geschmack.
J.-B. Rhine scheint als wissenschaftliche Persönlichkeit eine originelle und selten anzutreffende Mischung von Liebe zum Irrationalen bei gläubigstem Rationalismus zu besitzen. Er bringt die beachtenswerte Leistung fertig, das Irrationale durch die Ratio zu beweisen und sogar zu messen. Er liefert die bis jetzt überzeugendsten Beweise für parapsychische Erscheinungen. Und zugleich ent-zaubert er den Zauber, ernüchtert er das Wunderbare, beleuchtet das unheimlich-Dunkle. Und das nicht etwa durch die Inhalte oder Resultate, sondern durch die Methode.
Hier kann nur das Grundprinzip dieser Methode angegeben werden: Die Versuchsperson (meist kein ausgesuchtes Medium) benennt z. B. einzelne Spielkarten, die entfernt von ihr oder verdeckt vor ihr liegen. Oder (sog. „Bohrversuch“): sie gibt bei einem Päckchen Karten an, welches die oberste ist, dann, welches die zweitoberste ist, und so fort bis zur untersten. Das Kartenspiel ist bei diesen Versuchen bedeutend vereinfacht: es besteht aus 25 Karten mit je fünfmal einem