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Für eine Psychologie der Atlantisforschung wäre die Arbeit von Jürgen Spanuth ein geeignetes Schulbeispiel. — Die Entdeckung der Reste einer angeblich menschlichen Siedlung auf dem „Steingrund“ bei Helgoland 8 m unter dem Meeresspiegel gab dem Verfasser die Idee ein, das müsse das Platonische Atlantis sein, nach dem seit dem Ausgang des Mittelalters schon so viele mehr oder weniger berufene Forscher gefahndet haben. Jeder hat es mit Sicherheit natürlich „entdeckt“, sei es Amerika, sei es Grönland, sei es Nordafrika innerhalb oder außerhalb der Meerenge von Gibraltar, sei es, wie bei Spanuth Helgoland, sei es ein im Atlantik versunkener Inselkontinent, sei es endlich, daß man es für eine bloße Erdichtung des großen Plato gehalten hat. — Alle diese Thesen bilden eine Skala von ernst zu nehmender wissenschaftlicher Begründung bis zur halt- und uferlosen Phantasie.
Spanuths Platz befindet sich nun ziemlich an diesem letzten Ende, obschon er seine Ergebnisse mit scheinwissenschaftlichen Argumenten zu begründen versucht. Zunächst unterstellt er kritiklos und naiv dem Platonischen Bericht bis in alle Einzelheiten historische Realität. Ferner folgert er aus ägyptischen Papyri und Reliefdarstellungen über einen Angriff fremder Völker zur See auf das Pharaonenreich, daß diese Völker aus ihrer Heimat, eben Spanuths Helgoland-Atlantis, durch eine Naturkatastrophe vertrieben worden, dann durch Europa bis zum Mittelmeer gewandert und so nach Ägypten gelangt seien.
Den in Wahrheit gar nicht bestehenden Zusammenhang zwischen einer, übrigens geschichtlichen, Völkerverschiebung im Mittelmeer im 12. vorchristlichen Jahrhundert und Platos Erzählung stellt er dadurch her, daß nach Plato der Atlantische Weise und Staatsmann Solon angeblich die Atlantisgeschichte von den Ägyptern erfahren und nach Athen gebracht habe.
Es ist Aufgabe des Philologen, Prähistorikers und auch Geologen, Spanuths Darstellung kritisch zu würdigen, was zum Teil bereits geschehen ist und bei einer Diskussion in Schlo