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Verfasser, Leiter einer größeren Berliner Kinderklinik, glaubt, die Frage „Anlage oder Umwelt“ bei der Schwererziehbarkeit des Kindes am sichersten am Verhalten der Neugeborenen den ersten Erziehungsmaßnahmen gegenüber klären zu können. Er fand grundsätzlich keine Zunahme der Erziehungsschwierigkeiten bei Neugeborenen. Dagegen habe die Erziehungsunfähigkeit der Erziehenden zweifellos zugenommen.
Verfasser meint, daß jenseits des Säuglingsalters dem Arzt als Erzieher nur noch eine Rolle in der körperlichen Betreuung des Kindes zukomme. Darüber hinaus erscheint ihm die Erziehung zur reibungslosen Einordnung in die Zivilisation wesentlich von der Einstellung und Forderung des Erziehers abhängig, was sich in Zeiten des Verfalls gewohnter Maßstäbe besonders in einer Zunahme der Schwererziehbaren auswirke. Eine eindeutige Klärung der Ursache von Schulschwierigkeiten ist bei der Vielfalt störender Faktoren heute oft unmöglich. Daß hierbei eine Fehlerziehung durch mangelnde ethische Anforderungen seitens der Eltern eine wichtige Rolle spielt und zur Verwahrlosung aller Schattierungen führen kann, haben die Nachkriegsjahre deutlich gezeigt. Es erscheint Verfasser fraglich, ob man heute, im Zeitalter einer zunehmenden „Rebellion“ (Camus) überhaupt sogenannte „wohlerzogene Kinder“ erwarten darf. Damit sei die Frage des schwererziehbaren Kindes, welches immer wieder mit der sozialen Ordnung in Konflikt gerät, der ärztlichen Zuständigkeit entzogen. Für die meist unerziehbaren Asozialen sei die Prognose einer heilpädagogischen Behandlung absolut schlecht. Dagegen müsse der Arzt die physiologische Schwererziehbarkeit (Eigenwilligkeit) des normalen Kindes abgrenzen, die als Ausdruck einer gesunden Abwehrhaltung des Kindes gegen die ihm ständig auferlegten Zwangsmaßnahmen der Zivilisation anzusehen seien.