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Der Name H. stammt aus den ältesten Zeiten der Medizin und ist ein Niederschlag des erst in unseren Zeiten überwundenen Vorurteils, welches die Neurose mit Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates verknüpft. Im Mittelalter hat die Neurose eine bedeutsame kulturhistorische Rolle gespielt, ist infolge psychischer Contagion epidemisch aufgetreten und liegt dem Tatsächlichen aus der Geschichte der Besessenheit und des Hexenwesens zu Grunde. Dokumente aus jener Zeit bezeugen, daß ihre Symptomatologie bis auf den heutigen Tag keine Veränderung erfahren hat. Eine Würdigung und ein besseres Verständnis der Krankheit beginnt erst mit den Arbeiten Charcots und der vom ihm inspirierten Schule der Salpětrière. Bis dahin war die H. die běte noire der Medizin; die armen Hysterischen, die in früheren Jahrhunderten als Besessene verbrannt oder exorziert worden waren, verfielen im letzten aufgeklärten Zeitalter bloß dem Fluche der Lächerlichkeit; ihre Zustände wurden als Simulation und Übertreibungen einer klinischen Beobachtung unwert erachtet.
Die H. ist eine Neurose im strengsten Sinne des Wortes, d. h. es sind nicht nur keine wahrnehmbaren Veränderungen des Nervensystems bei dieser Krankheit gefunden worden, sondern es steht auch nicht zu erwarten, daß irgendeine Verfeinerung der anatomischen Techniken eine solche nachweisen würde. Die H. beruht ganz und gar auf physiologischen Modifikationen des Nervensystems, und ihr Wesen wäre durch eine Formel auszudrücken, welche den Erregbarkeitverhältnissen der verschiedenen Teile des Nervensystems Rechnung trägt. Eine solche physio-pathologische Formel ist aber noch nicht aufgefunden worden; man muß sich einstweilen damit bescheiden, die Neurose rein nosographisch durch das Ensemble der in ihr vorkommenden Symptome zu definieren, etwa wie die Basedow'sche Krankheit durch die Symptomgruppe: Exophthalmus, Struma, Tremor, Acceleration des Pulses und psychische Veränderung charakterisiert ist, ohne Rücksicht auf den näheren