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Die im Folgenden dargestellte Krankengeschichte kann als paradigmatisch für ein Geschehen, das als „zweiphasige Verdrängung“ (A. Mitscherlich) bezeichnet wurde, gelten. Dieser Ausdruck hat noch nicht die volle Klarheit eines Begriffes und ist sicher auch nicht die einzige Möglichkeit, das Auftreten funktioneller organischer Symptome innerhalb einer Lebensgeschichte adäquat zu beschreiben. Die Formulierung „zweiphasige Verdrängung“ stammt auch nicht aus einem theoretischen Vorurteil, sondern aus der unmittelbaren Erfahrung mit körperlich Kranken, die psychoanalytisch behandelt wurden. Es zeigte sich uns nämlich, daß mit dem Auftreten funktionell organischer Symptome neurotische, psychisch sich manifestierende Erscheinungen scheinbar verschwinden können, was als zweite Phase einer Verdrängung verstanden wurde. Nun gibt es zweifellos Krisen einer Lebensgeschichte, die durch eine akute Krankheit in einem echten Sinne gelöst werden, wobei sich eine Verwandlung ereignet und ein Mensch als ein anderer aus der Krankheit hervorgeht, die metanoia also keine scheinbare, sondern eine wesenhafte ist. Dann, so scheint es, wird auch wieder die Freiheit gewonnen, die bisher ungelösten Probleme und Konflikte zu meistern.
Lebensbewegungen, die so in einer Krise einen Umschlag erfahren, in einer akuten Krankheit als einer Katharsis das Alte abstreifen und neu und anders sich fortsetzen, unterscheiden sich aber von solchen, die zu einer chronischen Erkrankung führen, eine Unterscheidung, die zunächst nur die phänomenale Verschiedenheit von akut und chronisch in ihren ungleichen Zeitigungsmodi trifft.
Bei struktureller Betrachtung, d. h. in bezug auf die „Verdrängung“, läßt sich über den Zeitigungsmodus akut—chronisch hinaus etwas aussagen über den dieser Krankheit zugrunde liegenden Umgang eines Menschen mit den die Lebensbewegung treibenden Kräften.
Nimmt man als Vorbild einer Verdrängungsleistung ein Konversionssymptom, z. B. eine hysterische Lähmung, so wissen wir seit Freud, daß Affek