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Bereits um die Jahrhundertwende hat Freud das Phänomen der Übertragung ebenso wie das der Gegenübertragung in der psychoanalytischen Arbeit erkannt und beschrieben. Während sich jedoch seit dem zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts die psychoanalytische Forschung intensiv mit den mit der Übertragung gegebenen theoretischen und analysentechnischen Problemen befaßt hat, blieben die der Gegenübertragung nahezu unbearbeitet und beginnen eigentlich erst in den letzten Jahren die ihnen wissenschaftlich und praktisch längst zukommende Beachtung zu finden.
Die Bezeichnung „Gegenübertragung“ will offensichtlich besagen, daß es sich um eine Art von Gegenstück zur Übertragung handelt, zum mindesten um etwas Entsprechendes. Die Frage, ob und wieweit diese stillschweigende Voraussetzung zutrifft, soll der Ausgangspunkt unserer Untersuchung sein. Dazu wollen wir zunächst das Grundsätzliche des Phänomens der Übertragung klarzulegen suchen. Denn schon nach kurzer Orientierung zeigt sich, daß ein Teil der bei der Diskussion der Übertragung (und auch der Gegenübertragung) aufgetretenen Schwierigkeiten und Widersprüche darauf zurückzuführen ist, daß von verschiedenen Autoren jeweils Verschiedene mit diesen Begriffen verbunden, zum mindestens akzentuiert worden ist. Wir müßten also zu einer Klärung darüber kommen, in welchem Sinne der Begriff der Übertragung — und dann entsprechend auch der der Gegenübertragung — festgelegt und künftig verbindlich verwandt werden soll.
Wir gehen dabei am besten von der Tatsache aus, daß das von Freud bei seiner praktischen psychoanalytischen Arbeit beobachtete und von ihm Übertragung genannte Phänomen als solches keineswegs an die psychoanalytische Situation oder Arbeitsweise gebunden ist. Das, was sich ihm dort mit besonderer Deutlichkeit und Intensität zeigte, ist eine normalpsychologische Reaktionsweise des Menschen. Sie hat den Charakter eines dem Menschen, gleich ob gesund oder krank, eigenen und ihm