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Die übliche und natürliche Reaktion auf diesen Titel ist: „Ich war mir dessen nicht bewußt, daß Athene eine Mutter hat.“ Wir sind uns dessen nicht bewußt. Selbst Athene ist es nicht, und wir wollen versuchen zu begründen, warum es so ist.
In mythischem Geschehen den bildhaften Niederschlag psychischer Vorgänge zu erkennen, ist uns nicht mehr fremd, und die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, in Ursprung, Wesen und Funktion der Pallas Athene das Phänomen des Rationalisierungsprozesses aufzuzeigen.
Beiden ist, unter anderem, gemeinsam, daß sie der Überzeugung sind, reine Geisteskinder zu sein, und in völliger Unkenntnis ihrer mütterlichen Herkunft verharren.
Der Psychologie ist es seit Ernest Jones1 bekannt, daß die Rationalisierung von uns zwar gern als Geisteskind betrachtet wird, aber keineswegs nur eine Ausgeburt der Ratio ist, sondern ihren verborgenen mütterlichen Ursprung im Unterbewußten hat. Die Mythologie weiß, hauptsächlich durch Hesiod, daß Athene keine autogene Hauptgeburt des Zeus ist. Er berichtet von der Mutter der Pallas Athene. Es war Metis, „die Weiseste von allen Göttern und Menschen“. Allein die Tatsache, daß Mythologen die Gestalt der Metis zwar erwähnen, ihr aber entweder keinerlei weitere Beachtung schenken oder sie, wie M. P. Nilsson, fast ärgerlich ablehnen, ist verdächtig. „Auf den primitiv anmutenden und zugleich klügelnden Mythus bei Hesiod ist es nicht nötig, einzugehen“, schreibt Nilsson. Warum widerstrebt es uns, auf die Genealogie der Athene einzugehen? Der Zeus in uns findet es „nicht nötig“, es zu tun, denn es beeinträchtigt das Selbstbewußtsein. Und so neigen wir auch dazu, die Rationalisierung, wo wir sie erkennen, lediglich in ihrem negativen Aspekt zu sehen. Nämlich im primitiven und zugleich klügelnden Finden von mehr oder weniger zureichenden Gründen für unsere Überzeugungen und Handlungen, über deren Ursprung wir uns nicht klar sind und nicht klar werden wollen.
In der Gestalt der Pallas Athene hebt das griechische, also abendländ