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Im Rahmen meiner Sprechstunde wurde ich von einem 29jährigen Gemeindeangestellten aufgesucht, der sich mit folgendem an mich wandte: Seit einem halben Jahr sei er verlobt, habe aber Angst, sexuell zu versagen; mehrmals hätte seine Braut mit ihm Beziehungen aufnehmen wollen, was er aber stets abgelehnt habe. Seit fünf Wochen leide der Patient an einer sehr bedrängenden Vorstellung, die ihn veranlaß te, mich aufzusuchen; er habe das Gefühl, sein Penis schrumpfe und werde letztlich im Bauch verschwinden, was zweifellos zum Tode führen müsse. Obwohl ihm klar sei, daß diese Vorstellung absurd ist, müsse er sich doch immer wieder von dem Vorhandensein seines Gliedes überzeugen1.
Der somatische Befund ergab: Sehr adipöser Pykniker, etwas effeminiert, starke Glatze, Onychophage. Die Untersuchung der Geschlechtsgegend lehnte der Patient zuerst strikte ab. Die Inspektion ergab ein etwas infantiles Genitale, das mit zwei gekreuzten Heftpflasterstreifen sorgfältig am Bauch befestigt war. Der Patient gab errötend an: „Das Ganze sei eine dumme Sicherungsmaßnahme, die sich aber doch beruhigend auswirke.“ Neurologisch war nur eine abnorm erweiterte reflexogene Zone des Cremasterreflexes bds. (noch in Nabelhöhe auslösbar) festzustellen (nach Tramer ein Zeichen exzessiver Onanie).
Die Anamnese ergab in Kürze folgendes: Hered.: nicht zu erheben. Der Patient war das einzige Kind, hatte stets gut gelernt, einmal wegen Tbc. in einer Heilanstalt. Seinen Beruf als Gemeindeschreiber fülle er völlig aus, er hätte vorrücken können, lehnte aber die Versetzung wegen seiner Minderwertigkeitsgefühle ab. Solange er sich erinnern könne, leide er an gehäuften Zwangsvorstellungen, etwa folgender Art: er müsse sich aus dem Fenster stürzen, wenn dieses nicht verschlossen sei; er werde sicherlich ein böses Ende nehmen, weil er einem Schauspieler, der Suicid beging, ähnlich sehe; andere Menschen hielten ihn für verrückt; wenn er an der Irrenanstalt vorbeifahre, habe er das Gefühl, eine unsichtbare Kraft zö