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Die Test-Psychologie stellt den Anspruch, über eine Person etwas Bestimmtes aussagen zu können. Mit Hilfe eines der Versuchs-Person unbekannten Reizes, dem Test, werden ihre Reaktionen mit den Reaktionen einer Anzahl vorher geprüfter Personen verglichen. Ähnlichkeit, Gleichheit und Abweichung der Reaktionen führen dann jene bestimmte Aussage über die getestete Person herbei.
Die Sehschärfe eines Menschen ist durch mehrere Reihen von größeren und kleineren Buchstaben schnell und eindeutig zu bestimmen. Das Prüfmittel ist zuverlässig, es übt auf jeden Einzelnen den gleichen Reiz aus und ruft die gleiche Reaktion hervor. Jeder kann das Ergebnis nachprüfen. Je komplexer aber die zu prüfenden Fähigkeiten werden, je größer der Einfluß der seelischen Funktionen auf die Reaktionen sein kann, desto schwieriger ist das Erkennen und Benennen bestimmter Eigenschaften und Zusammenhänge; desto unzuverlässiger werden die Prüfmittel. Das unzuverlässigste ist die Intuition, mag sie im Einzelfall auch noch so präzise funktionieren. Kein Zweiter kann das gleiche Mittel benutzen. Das Ergebnis ist nicht zu beweisen, außer durch Erfahrung. Und gerade die sollte doch erspart werden.
Man hat versucht, die Erfahrung mit Testmethoden in Verifizierung zu verwandeln. Das heißt: man macht so viele Einzel-Erfahrungen mit einem Test, bis man eine, zwei, mehrere, alle Erfahrungen kennt, die überhaupt mit dem Test zu machen sind. Man ordnet die Ergebnisse, gibt ihnen Namen und hat so den Test „wahr“ gemacht und ihn geeicht.
Die Mittel zur Verifizierung sind zahlreich. Man kann zwei große Gruppen unterscheiden. Zur ersten gehört die von Rorschach angewandte Methode: die Kontrolle durch psychoanalytische Kenntnis der Versuchspersonen. Hierbei werden die Erfahrungen an verschiedenen Individuen auf ihren kleinsten gemeinschaftlichen Nenner gebracht. Dieser Nenner kann ein noch sehr komplexes psychisches Phänomen sein — das Komplexe bleibt der Makel dieser Methode —, sie führt aber zu einwandfreien Ergebni