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Eine ausgezeichnete Studie über die Psychologie von Massenbewegungen. Knapp und klar in der Diktion, in einzelnen Abschnitten fast aphorismenhaft verdichtet, bringt dieses kleine Buch eine Fülle von Einsichten.
Eine Vielfalt von Aspekten hervorhebend, beschreibt der Autor, wie Massenbewegungen — handele es sich um religiöse Bewegungen, nationale Erhebungen oder soziale Revolutionen — einer grundlegenden psychologischen Bedürfnisdisposition entgegenkommen. Das ist der Zustand innerer Leere, Schalheit, Unausgefülltheit und Zerfallenheit mit sich selbst, der unter einigermaßen stabilisierten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen das Auftreten neurotischer Symptomatik so sehr begünstigt. Massenbewegungen können unter diesen Umständen wie große Symptomfänger wirken. Die Freiheit von Menschen, die weder Antrieb noch lohnenden Sinn zur Verwendung dieser Freiheit finden, ist nur eine Freiheit zur Impotenz. Um so größer daher deren Sehnsucht, diese Freiheit loszuwerden. Massenbewegungen pflegen diese Sehnsucht zu erfüllen. Sie gewähren ein vitales Gefühl sicheren Aufgehobenseins und in dem großen Zauber gemeinsamen Handelns wird die Existenz des sonst unschöpferisch dahinlebenden Bürgers wieder sinnvoll. In der Hingabe an die gemeinsame Sache, mag diese Sache auch noch so absurd und verbrecherisch sein, gewinnt er ein neues Selbstwertgefühl.
Besonders eingehend beschreibt der Autor die Bevölkerungskreise und Persönlichkeitstypen, die unter diesen Umständen in erster Linie hingabe- und mitmarschierbereit, also potentielles Massenbewegungsdynamit sind. Gerade hier, so etwa in der Beschreibung des Fanatikers, beweist der Autor so viel psychologisches Einfühlungsvermögen und eine solche Darstellungskraft, daß er wohl jeden interessierten Leser fesseln wird.