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Der neue Band, großenteils das bisher noch Unveröffentlichte aus dem Nachlaß Franz Kafkas sammelnd, enthält keineswegs Nebensächlichkeiten, die nur pietätvoll beflissene Seminararbeiter zur Lektüre reizen könnten, vielmehr darf ohne Übertreibung gelten, daß niemand den Schlüssel zu Kafka besitzt, solange er an diesen Selbstzeugnissen, aphoristischen Notizen und Fragmenten vorübergeht. Das meiste ist so gewichtig, daß ein kurzer Überblick auch nicht entfernt den Reichtum des Geschriebenen auszuschöpfen vermag. Hier erst wird man inne, welch eine Potenz der Denker und homo religiosus Kafka gewesen ist und daß diese geistige Macht, die er war, eigentlich die Substanz seines künstlerischen Werks darstellt.
Ein mißliches Unterfangen gewiß, den Künstler auf denkerische Äußerungen hin abzufragen, wofern man die geistigen Ströme erkennen möchte, denen er in seinem Werk Raum gibt. Die Spiritualität einer Kunstschöpfung ist weit mehr als der Aussageinhalt von Aphorismen, sie lebt als alles überbrausender und durchflutender Verwandlungsimpuls. Immerhin — einen Fingerzeig auf die Kräfte, die dergestalt ein geistiges Antlitz bestimmend ausformen, gewähren die Gedanken, dem es sich öffnete. Doch ein Weiteres, was zu bedenken ist: fast alle aphoristischen Äußerungen Kafkas, die dieser Band enthält, stehen in einem Tagebuchzusammenhang (wenngleich vom Autor außerdem auf besondere Zettel ausgezogen, vielleicht zum Zweck der Publikation), in den „Oktavheften“, die zu den bereits im Band „Tagebücher“ publizierten „Quartheften“ die wesentliche und langerwartete Ergänzung bilden. In diesem Zusammenhang sind alle diskursiven Bemerkungen als Stationen auf dem inneren Wege des Menschen Kafka zu werten, genauer noch: als Sätze unter vielen, insgesamt ein gewisses Ganzes bildend, welches als Antlitz zu lesen ist, als Chiffre, durchaus nicht als ein offenes Buch.
So etwa notiert Kafka unter dem 19. Oktober 1917 (Datierungen finden sich indessen nur selten): „Sinnlosigkeit (zu starkes Wort) der