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Die antinomische Forderung im ärztlichen Handeln findet eine hervorragende Auslegung. — Der Arzt kann nicht Freund sein — man kann nicht tausend Freunde, wohl aber tausend Patienten haben. Der Patient kommt als Ratsuchender: „Nicht dort muß der Arzt nach dem Ethos seines Berufes zuerst sein, wo ihn Liebe und Freundschaft rufen, sondern dort, wo der Tod am bedrohlichsten ist“ — hier muß er durch die einmalige Individualität auf den „Fall“ hindurchschauen. Dieser Gegensatz, wie der Mensch ihm erscheinen kann und muß, liegt in verschiedenen „anthropologischen Wirklichkeiten“. Er muß es verstehen und aushalten, in offenbar geschiedenen Erlebniswelten beheimatet zu sein. Es ist z. B. „der Unterschied zwischen dem Leib als Physiognomie und dem Leib als anatomische Struktur“, den er wissen muß und den er nicht vergessen darf. In bester Tradition der deutschen Psychiatrie sieht Zutt phänomenologisch: „der Leib als Physiognomie ist nur Oberfläche, deren Form, Farbe und Bewegtheit. Das ‚Innere‘ dieses Leibes ist das Wesen des sich offenbarenden Menschen. Das Innere des anatomischen Leibes aber sind die typischen anatomischen Strukturen, die den Ablauf differenzierter physiologischer Funktionen ermöglichen. Am physiognomischen Leibe ist gleichsam nur die Oberfläche substanzielle Wirklichkeit, am anatomischen Leib bedeutet diese Oberfläche wenig, sie ist zu einem topographischen Hinweis auf die darunter liegenden Strukturen entwertet.“ Das ist die unausweichliche Wirklichkeit und Situation. Kein Wunder, daß die Mediziner, wie die Menschen überhaupt, in der Spannung der Antinomie diese zu vereinfachen, aufzuheben bestrebt waren. Die Antinomie ist der Dorn, der die endliche Beruhigung des Denkens, seinen guten Schlaf behindert. Der Mediziner vergißt nur zu gern, daß er Arzt ist und seine Patienten Leidende und keine Fälle sind. Und so wie die Gesellschaft und ihre Einrichtungen geworden sind, fragt und honoriert ihn auch niemand anders als nach Fällen, die man in Kassenscheinen z