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Freud war nahezu vierzig Jahre alt, als er seine Zeitgenossen mit seinen ersten Publikationen über die Neurosen überraschte. Bis dahin hatte er sich der Anatomie und Physiologie des Nervensystems und der Neurologie gewidmet. Mit jedem weiteren Schritt in das Neuland der Psychopathologie entfernte er sich mehr und mehr von seinen ehemaligen Kollegen, die absolut keine Beziehung zwischen jenen Jahren gediegener Forschungsarbeit und seinen neuen Interessengebieten und Methoden zu erkennen vermochten. Später pflegte mancher Psychoanalytiker eine ähnliche Einstellung zu Freuds erster Forschungsperiode zu haben, aber im umgekehrten Sinne: sie erschien ihnen wie ein Aufenthalt in einem fremden Lande, bestenfalls eine Zeit der Vorbereitung, eher aber eine Vergeudung wertvoller Jahre, von der Psychoanalyse aus gesehen.
Seit einiger Zeit ist dem Ursprung der Psychoanalyse und deren Beziehung zu den naturwissenschaftlichen Strömungen ihrer Entstehungszeit zunehmende Aufmerksamkeit geschenkt worden. Es ist allmählich klar geworden, daß Freuds anatomische, neurologische und psychoanalytische Forschungen ein Kontinuum darstellen und daß sie von den vorherrschenden Gedankenrichtungen ihrer Periode weitgehend beeinflußt wurden. Beiträge zu einer historischen Analyse der Psychoanalyse stammen von Hartmann, Dorer, Binswanger, Brun, Jelliffe, Bernfeld, Kris, Zilboorg und Jones2. Die kürzliche Veröffentlichung eines Freud schen Entwurfes zu einer physiologischen Psychologie, der unter seinen Manuskripten gefunden wurde, hat neues Licht auf die enge Beziehung geworfen, die zwischen den beiden Arbeitsperioden besteht. Dies war ein weiterer Hinweis, daß es notwendig ist, auf Freuds vor-psychoanalytische Arbeiten zurückzugreifen, um die Entstehungsgeschichte der Psychoanalyse zu verstehen.
Ich möchte mich hier mit der für die Psychoanalyse bedeutsamsten Arbeit aus jener Periode befassen, nämlich mit der kritischen Studie „Zur Auffassung der Aphasien“. In dieser Abhandlung unterzieht Freud di