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Die Psychoanalyse verdankt ihre Entstehung und einen großen Teil ihrer Entwicklung einmal dem einzigartigen psychologischen Scharfblick Freuds, seiner Fähigkeit, aus einzelnen Erfahrungen allgemeine Regeln abzuleiten, und drittens schließlich der Entschlossenheit, mit der er diese allgemeinen Regeln einer ständigen Nachprüfung und auch Änderung unterzog, wenn die Empirie dies nötig machte. Dieses ständige In-Beziehung-Setzen von Empirie und Theorie hat der psychoanalytischen Lehre ein hohes Maß von Wirklich-keitsnähe gesichert und sollte allen Nachfahren ein Vorbild sein. Deshalb sollte auch jede Darstellung von Behandlungsgrundsätzen methodischer und technischer Art auf eine allgemeine Neurosenlehre bezogen werden.
Bevor nun mit einer Darstellung der Methodik und Technik der Psychoanalyse, wie sie in Deutschland bestimmten Entwicklungstendenzen der letzten 20 Jahre entspricht, begonnen wird, sei vorausgeschickt, daß in dieser Darstellung gerade diejenigen Punkte etwas akzentuiert werden, die — wie es mir scheint — über das von Freud bereits Erreichte hinausgehen. Jede Wissenschaft entwickelt sich, und auch die Psychoanalyse ist nicht bei jenem Erkenntnisstande stehengeblieben, den sie vor 14 Jahren, d. h. beim Tode Freuds, innehatte. Freud selbst hat sich nie gescheut, Theoriebestandteile, an denen er 30 Jahre festgehalten hatte, fallen zu lassen. Ein markantes Beispiel hierfür ist seine Anerkennung der Eigenständigkeit aggressiver Impulse.
Am Beginn jeder psychotherapeutischen Behandlung steht eine „Anamnese“, die gleichzeitig Vorgeschichte und Befund darstellt. Es bedarf kaum einer Erwähnung, daß die notwendigen körperlichen Untersuchungen dem psychologischen Untersuchungsvorgang vorauszugehen haben. Eine Anamnese, die die berechtigten Bedürfnisse des Analytikers und des Patienten (!) nach der Gewinnung diagnostischer und prognostischer Gesichtspunkte befriedigt, nimmt in der Regel 2-3 Stunden in Anspruch. Sie beginnt üblicherweise mit dem Erfragen der Symptomatik