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Die psychologische Anschauung, die sich auf die Arbeit C. G. Jungs gründet, hat dieser selbst als analytische Psychologie bezeichnet, in Unterscheidung zur Freud schen Psychoanalyse. Diese Anschauung ist nicht etwa eine Theorie, sondern sie ist der Versuch, die Phänomene, denen wir bei der Beobachtung der Psyche begegnen, darzustellen. Da die beobachteten Phänomene häufig schwer durchschaubar und ineinander verflochten (komplexer Natur) sind, wird die Psychologie, die sich mit ihnen beschäftigt, oft auch als komplexe Psychologie bezeichnet.
Der Gegenstand, an dem Methodik und Technik in der Praxis der analytischen Psychologie dargestellt werden soll, ist die Psychotherapie. Um den Begriff der Psychotherapie klarer zu fassen, gebe ich zunächst eine gedrängte Übersicht1. Eine solche Übersicht darf jedoch keineswegs so verstanden werden, daß in der praktischen Psychotherapie schematisch vorgegangen würde; auf diese Frage ist bei der Besprechung der Einleitung der Therapie noch zurückzukommen.
Die Methode der Psychotherapie ist arztlich. Die Psychotherapie strebt nach einer Diagnose. Zu diesem Zweck erhebt sie eine Anamnese. Es ist jedoch jede psychotherapeutische Anamnese zugleich auch die Lebensgeschichte eines Menschen. Die Psychotherapie versucht, aus den Mitteilungen über die Leidensentstehung, sowie aus den Symptomen des Patienten zur Feststellung der besonderen Art des seelischen Krank seins zu gelangen.
Die diagnostische Untersuchung ergibt, daß es Erkrankungen gibt, die aus den körperlichen Veränderungen nicht oder nur ungenügend abgeleitet werden können, und die ganz oder toilweise von der psychischen Sphäre her verstanden werden müssen. Es hat deshalb die psychotherapeutische Diagnostik nicht den organischen Faktor der Krankheit, sondern die seelische Beschaffenheit der kranken Persönlichkeit im Auge. Die psychotherapeutische Diagnostik nennen wir Exploration. Diese zieht alle menschlichen Ausdrucksformen in Betracht: Die Sprache, die Einfälle, die Phantasie, de