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Seit den sechziger Jahren des vorigen Jährhunderts, als Krafft-Ebing den Begriff „Zwangsvorstellungen“ erstmals erwähnte, und besonders seit den Jahren 1894-98, in denen Freud seine ersten Beobachtungen über „Zwangsneurosen“ mitteilte, sind zahlreiche Untersuchungen über Zwangssymptome durchgeführt und veröffentlicht worden. Die Psychiatrie beschäftigte sich zunächst mit der Abgrenzung des Symptoms, mit Fragen, ob es sich um eine primäre Denk- oder Affektstörung handelte, und sammelte klinische Erfahrungen. Während die psychiatrischen Arbeiten überwiegend zu dem Ergebnis kamen, daß die Zwangsneurose erblich verankert ist, auf psychopathischer Grundlage entsteht und lediglich durch Umweltfaktoren inhaltlich beeinflußt oder ausgelöst werden kann, haben sich die tiefenpsychologischen Forschungen mehr auf die Bedeutung der Umwelteinflüsse und feineren psychologischen Zusammenhänge für die Entstehung und den Verlauf der Zwangsneurose erstreckt. Die umfassendste tiefenpsychologische Theorie der Zwangsneurose ist von der Psychoanalyse entwickelt und ausführlich in Fenichels Darstellung der psychoanalytischen Neurosentheorie niedergelegt worden. Andere psychotherapeutische Schulen, zum Beispiel die von Adler, Künkel und Jung, haben mit Ausnahme von L. Seif (im Handb. f. Individualpsych.) Einzelfragen des zwangsneurotischen Geschehens unter ihrer speziellen Konzeption der Neurose beleuchtet, als eine die verschiedenen Erfahrungen berücksichtigende Gesamtdarstellung der Zwangsneurose gegeben. Schultz-Hencke baut im wesentlichen auf den Ergebnissen der Psychoanalyse auf, hat aber mit einer neuen Zentrierung Gesichtspunkte herausgestellt, die — wie hier darzulegen versucht wird — für die weitere Forschung und insbesondere die Therapie von großer Wichtigkeit und Bedeutung sind.
Diese kurze Skizzierung der bisherigen wissenschaftlichen Bemühungen soll vor allem den eigenen Standpunkt deutlich herausstellen. Wir haben zur Bewältigung der schweren Aufgabe, einen Zwangsneurotiker ana