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Vor etwa 90 Jahren begann in der deutschen und französischen Psychiatrie fast gleichzeitig eine ebenso lebhafte wie eingehende Beschreibung von Zwangszuständen. 1867 wurde der Begriff Zwangsvorstellung von v. Krafft-Ebing zum erstenmal verwendet. Ein Jahr später beschrieb Griesinger seine Beobachtungen über Zwangsgrübeln. Erst 10 Jahre später kommt es zu der bekannten Definition Westphals (), die zum Ausgangspunkt der im Jahre 1939 vorgenommenen „begrifflichen Untersuchung über den Zwang“ von Kurt Schneider wurde, eine Untersuchung, die lediglich sprachlich die Westphal sche Definition besser formuliert, ohne etwas Neues zu dieser 60 Jahre alten Abhandlung hinzuzufügen.
In der französischen Psychiatrie beschrieb Morel das Délire émotif, Baillarger jene bekannte Monomanie avec conscience (mit Bewußtsein !) und Falret die Folie du doute, die inhaltlich etwa der Griesinger schen Arbeit entspricht. Endlich erschien im Jahre 1875 die Beobachtung Legrands du Saulle, die den vielsagenden und treffenden Titel hat: Le délire de toucher. Die Zwangserscheinungen wurden später von Magnan zusammengefaßt unter dem Begriff: „Obsessions“. Die umfassende und klassische Darstellung der Zwangserscheinungen erfolgte von Pierre Janet im Jahre 1898. Er unterscheidet die Idées obsédantes (Zwangsvorstellungen) und die Agitations forcées (Zwangshandlungen). Wie eingehend die Kenntnis Janets bezüglich der Zwangsphänomene war, geht allein aus der Tatsache hervor, daß er beispielsweise 32 verschiedene Formen von Zwangsvorstellungen beschreibt. Die Agitations forcées unterteilt er in: A. mentales (darunter versteht er z. B. zwangshafte Genauigkeit, Vorsicht usw.), A. motrices (darunter versteht er z. B. Störungen von Gang und Sprache), und A. émotionelles (darunter versteht er z. B. die eigentlichen Angst-Zwangszustände).
Das Phänomen des Zwangs wurde von Anfang an und wird noch bis heute von der offiziellen Psychiatrie, die im Raum des K. Schneider schen Krankheitsbegriffs Krankheit deutet, oh