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Im Bewußtsein der meisten Ärzte und der übergroßen Mehrzahl aller Kranken liegt das Charakteristikum der heilerischen Tätigkeit jenseits der Psychotherapie darin, daß der Arzt kraft seines Wissens und vermittels der von ihm angewandten oder auf gezeigten Heilmittel — seien es Instrument, Medikament oder irgendwelche Kräfte der außermenschlichen Natur — der Krankheit zu Leibe rücke oder rücken lasse. Seine Qualität hängt ab von Art und Umfang der ihm bekannten oder zur Verfügung stehenden „Mittel“. Ärztliches Tun wird also gewertet nach Evidenz und potentieller oder faktischer Kraft des vom Arzt zwischen sich und Kranken gesetzten therapeutischen Mediums.
Wie erscheint nun die Situation in der Psychotherapie? Zunächst wohl prinzipiell ähnlich. Das Medium zwischen Therapeut und Patienten ist hier die „analytische Situation“, deren Inhalt eine je nach Schule irgendwie geartete Weise des Verhaltens zum oder gegen den Patienten bzw. dessen neurotische Erkrankung ist. Der Psychotherapeut wendet eine der ihm möglichen Verhaltensweisen an, von deren Zweckmäßigkeit gerade für den ihm hier vorliegenden Fall er überzeugt ist. Die Variationsbreite der ihm zur Verfügung stehenden Verhaltensweisen ist eine Funktion seines eigenen Fähigkeitsgrades, viel oder wenig Welt aufnehmen und „je so“ erwidern und erweitern zu können.
Die neurotische Erkrankung ist eine Erkrankung am Menschen — und je weiter sie sich vom Menschen und vom „Menschsein“ (Herzog-Dürck) entfernt hat, um so mehr wird dem Kranken „Mensch“ substituiert werden müssen. Um so weniger Medium dürfte also zwischen Therapeuten und Kranken treten, würde die logische Fortführung dieses Postulates heißen müssen.
Das dringende Problem in der Psychotherapie ist nach wie vor die Frage: Was ist das eigentliche agens effectivum, wenn und wo wir heilen konnten? Gibt es eine unspezifische „analytische Situation“ oder „analytische Haltung“, die nur im Einzelfall adaequiert zu werden braucht, so wie in der Chirurgie Blutstillung und Wund