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In der Beratungsstelle für schwierige und nervöse Kinder fiel mir bei der Anamnese von mehreren Jugendlichen auf, daß sie im Alter von 12-14 Jahren, also zu Beginn der Reifezeit, eine Appendektomie durchgemacht hatten. Diese vielleicht zufällige Häufung der Operationen in diesem Entwicklungsalter brachte mich auf den Gedanken, ob nicht psychische Hintergründe, bedingt durch die spezifische Situation der beginnenden Reifezeit, bei der Entstehung der Leibschmerzen, auf Grund derer dann die Appendektomie vorgenommen wurde, eine Rolle spielen.
Da diese Kinder meist nur ambulant untersucht werden konnten, ergab sich jedoch nicht genügend tiefenpsychologisches Material, um die vermuteten Zusammenhänge einsichtig zu machen. In der mir zugänglichen Literatur war nichts über dieses Problem zu finden.
Im Februar 1952 kam der 12jährige Kurt J. in meine Sprechstunde und produzierte hier spontan in den etwa 3 Stunden, die zur Untersuchung zur Verfügung standen, ein Material, das in einer schönen Prägnanz die bisher nur vage vermuteten Zusammenhänge deutlich werden ließ. Ich bin mir völlig darüber klar, daß ein einzelner Fall keine Beweiskraft besitzt, doch glaube ich, daß eine kasuistische Mitteilung berechtigt ist, um als Anregung für weitere Beobachtungen zu dienen.
Kurt, geboren im März 1940 im Sudetenland, kam in Begleitung seiner Mutter, einer ordentlichen Bürgersfrau von pyknischem Habitus. Der Vater ist Dachdeckermeister. An Geschwistern ist noch eine Schwester im Alter von 15 Jahren da, eine andere Schwester ist im Alter von 6 Monaten vor etwa 2 Jahren gestorben. Kurt verträgt sich gut mit seiner Schwester, er hängt mehr an der Mutter als am Vater. Die häuslichen Verhältnisse sind beengt. Die Familie schläft zusammen in einem Raum.
Kurts Geburt verlief normal, er wurde 13 Monate gestillt. Lernte normal Laufen und Sprechen und hatte an Kinderkrankheiten nur Masern. Eine ausgesprochene Trotzperiode machte er nach Angaben der Mutter nicht durch. 1946 wurde die Familie aus dem S