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Nachdem über Freud verschiedene kurze, teilweise nicht irrtumfreie Biographien (S. Freud, Hanns Sachs, Fritz Wittels, Helen Walker-Puner) erschienen waren, hat uns Ernest Jones nunmehr mit dem ersten Band der ausführlichen Lebens-und
Geistesgeschichte seines Meisters beschenkt. Sie wird nach Vollendung des dritten Bandes dieses Monumentalwerkes die maßgebende Biographie sein. Keiner hat mit solcher Gründlichkeit wie er die Quellen und Werdegänge seines Helden ausgegraben, namentlich in der ersten Lebensphase, als die Stammhalterin Anna Freud noch ein Kind war. Keiner hat in solcher Gemeinschaft mit ihm, ja in ihm sein Leben eingesetzt, keiner unter den Lebenden so viel Fleiß und Scharfsinn aufgeboten, um sein Werk nach innen durch wissenschaftliche Befruchtung wie nach außen durch organisatorische Leistungen, vor allem durch die Gründung der Britischen Gesellschaft für Psychoanalyse, zu vermehren. Und als der Achtzigjährige, der seit 1923 infolge von Gaumenkrebs eine lange Reihe von Operationen durchgemacht hatte, durch den Nationalsozialismus am Leben bedroht war, eilte Jones als Retter herbei und verschaffte zusammen mit Prinzessin Marie Bonaparte von Griechenland dem Vieldulder in England eine Zufluchtsstätte, um ihm den Lebensrest und sein am 23. September 1939 erfolgtes bitteres Ende zu erleichtern, soweit es Menschenkraft vermochte.
Jones verfolgte in erster Linie den Plan, sein Buch streng im Sinn seines geistigen Nährvaters zu verfassen. Unbedingte Wahrheitsliebe, die sich von jedem Quentlein Heroenkultus fernhielt und lieber die Grenze der Indiskretion streifte, als die Tatsachen im geringsten abzubiegen, war für ihn selbstverständliche Pflicht. Freimütig macht er auf Fehler aufmerksam, die dem Meister unterlaufen waren, wenn auch grenzenlose Verehrung sein Lebensbild durchleuchtet. Er schildert Freud als Mann des Leidens, der zeitlebens am Leben litt, den Menschen, abgesehen von wenigen Bevorzugten, wenig Freude abgewann, sich aus der Anerkennung seiner ps