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Selten ist ein psychologischer Begriff so volkstümlich geworden wie der des Minderwertigkeitsgefühls. Brachfeld, Professor für Psychologie an der venezolanischen Anden-Universität, weist in dem vorliegenden Werk darauf hin, daß in der Vergangenheit schon viele bedeutende Schriftsteller wie beispielsweise Montaigne, Hobbes und Stendhal die Bedeutung eines geschädigten Selbstwertgefühls für einzelne Motivationen menschlichen Handelns erkannt und zum Teil ausgezeichnet beschrieben haben. Aber erst Alfred Adler machte die Minderwertigkeitsgefühle zu einem Bestandteil der abendländischen Umgangssprache. Erst er wirkte in einer Weise in die Breite, daß ein neues Klima im Verstehenkönnen des Mitmenschen entstehen konnte.
Suchen wir nach Gründen für diese Wirkung, dann finden wir sie in erster Linie in Adlers Aufgeschlossenheit für die Probleme der praktischen Lebensbe-wältigung, in seinem ungewöhnlichen pädagogischen Schwung und dem beinahe charismatischen Pathos, mit dem er die zentralen Ideen seiner Individual-psychologie verkündete. Wie für Toynbee das geschichtliche Handeln des Menschen als immer neue Antwort auf eine