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In diesem glänzenden Buch, das man unwillkürlich in einem Zuge liest, wenn man es zur Hand nimmt, veranstaltet der Autor, der durch seine Abhandlung über die beiden Quellen des Moralischen (La Baconnière, 1948 zweite Auflage) und durch die in der Revue française de Psychoanalyse 1933 erschienene Arbeit „Neurose ohne Oedipuskomplex“ bekannt wurde, eine ebenso interessante wie verdienstvolle Untersuchung über den Zusammenhang von Angst und magischem Denken. Mit diesem „Essay d'analyse psychogénétique“ füllt der Autor eine Lücke aus, die dadurch entstand, daß man das Magische zwar immer stark beachtet, aber nicht so deutlich und in seiner elementaren Macht gesehen hat, wie es Odier sieht.
Sosehr man diesem Buch eine Übersetzung ins Deutsche wünscht, so sehr wird es einem bewußt, daß vieles nur in französischer Sprache gesagt werden kann. Allein bei der Betrachtung der „Névrose d'abandon“ wird es klar, daß kein deutsches Wort jemals wiederzugeben vermag, was „abandon“ ist. Abandon ist weder das Imstichgelassensein, noch das gänzliche Verlassensein, noch das Ausgeliefert- und Preisgegebensein. Abandon ist weit mehr. Hinsichtlich dieses Begriffes scheint es, als ob die französische Sprache mehr wüßte, was absolutes Verlassensein ist, als die deutsche.
Was Odier auf wenigen Seiten im ersten Kapitel über die Angst und das prälogische Denken sagt, ist großartig. Übrigens bleibt er nicht im Theoretischen stecken. Treffende und interessante Beispiele machen das Buch immer wieder lebendig. Die Kommentare zu diesen Beispielen sind von einer geschliffenen und präzisen Diktion.
Um ein Beispiel herauszugreifen, sei es gestattet, den Bericht über jenen Patienten zu bringen, der im Bett liegt und liest. Plötzlich hört er Lärm. Ein wenig später Schreien. Dann hört er, wie man „Feuer“ ruft. Dann ruft es durchdringend: „Das Haus brennt!“ Der Patient nun, anstatt sich sofort aus dem Haus zu begeben, anstatt zu fliehen, und zwar instinktiv und „sans réfléchir“, löscht die Petroleumlampe und