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Es bedarf der Beachtung des Untertitels, um diesem Buch nicht mit übermäßigen Erwartungen entgegenzutreten, denn sein Thema muß in mehrfacher Weise eingeengt werden. Einmal handelt es sich um eine entwicklungspsychologische Studie, die sich über die Altersspanne der Zehn- bis Zwanzigjährigen erstreckt, so daß kaum Aussagen aus dem Zustand voller weiblicher Reife heraus gemacht werden; auf diese aber aus vorangegangenen Stadien Rückschlüsse zu machen, scheint doch wohl etwas gewagt. Gerade die Wertwelt, an die das Funktionieren des Gewissens gebunden ist, erfährt ja dann noch mancherlei Wandlungen.
Zweitens sind die Trägerinnen der Untersuchung sämtlich im katholischen Glauben erzogen, das heißt, sie unterstehen speziellen Moralgesetzen, deren Befolgung oder Vernachlässigung mittels der Beichte überprüft werden kann. Gewisse immer wieder auftretende Wendungen in den schriftlich niedergelegten inneren Auseinandersetzungen der jungen Mädchen lassen diese anerzogene Übereinstimmung erkennen, und insofern ist das gewonnene Material nicht dazu geeignet, daraus Folgerungen allgemeiner Art zu ziehen.
Obwohl die Untersuchung in wissenschaftlich einwandfreier Art durchgeführt wurde, ist das Ergebnis doch recht mager und bringt unserem Wissen wenig Bereicherung, ja, eigentlich wird kaum über die oft zitierte Charlotte Bühler (“Das Seelenleben des Jugendlichen“) hinausgegangen. Das mag damit zusammenhängen, daß die ursprüngliche Arbeit 1932 publiziert wurde und nun, nach 20 Jahren, in 2. Auflage vorliegt.