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Dieses posthume Werk des früh verstorbenen Wiener Pädagogen zu besprechen, bietet besondere Schwierigkeiten. Birnbaum, ein Polyhistor von Format und ein Systematiker kat' exochen, war der unbestrittene Nachfolger Adlers in Wien im pädagogischen Bereich. B. war gleichzeitig viele Jahre Schüler Adlers, Lehrer, Rektor und Dozent in Wien und wurde bekannt durch sein Buch „Die seelischen Gefahren des Kindes“. — In diesem umfassenden Werk über
eine Systematik der Erziehungsmittel gibt Birnbaum mit dem Blick des schöpferischen Erziehers eine theoretisch straffe Darstellung solcher Erziehungsmittel, geschult an den Perspektiven Karl Bühlers vom Psychologischen her. Er gliedert diese in vier Kreise: evolutionsfördernde Kunstgriffe, progressive, repressive, transformatorische. Die fundierende Region des Naturhaften, der Kontaktbegründung, Kontakterweiterung und Kontakterneuerung wird über Selbstentfaltung (W. Stern) oder Nachahmung bis zur Eigenform verfolgt. Besonnen anerkennt B. durchaus auch die Repression. Nur Disziplinierung kann die wirkliche Wertentfaltung gewährleisten, wobei er sowohl die Einseitigkeit der bloß formalen Disziplinierung ebenso vermeidet wie die unter Tiefenpsychologen oft zu findende Verwerfung der willentlichen Straffung. Uns scheint das Zentrum die personalistische Wertpädagogik zu bilden. Dabei hat der Erzieher in Enthüllung und Umformung des Lebensplans in den sehr differenziert entfalteten Formen des Kontakts dem Kinde zu verhelfen, ein anderes zu werden.
Das Buch ist mehr als ein „Versuch“. Es ist ein bis ins theoretische Gerippe hinein ausgeführtes Kompendium, ein Handbuch der Erziehungshilfe. Der Nachteil des Buchs ist seine Fülle: jeder Satz wäre ein Artikel. Nun müssen aus diesem Buch eine Reihe praktischer Bücher erwachsen, die das hier straff Zusammengefaßte dem Erzieher zur praktischen Anwendung in die Hand geben. — Dieses Buch fehlte bisher für unsere Erziehungsberatungsstellen.