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Prof. Bader behandelt in seiner kleinen Schrift Erscheinungsformen und Kausalität der Nachkriegskriminalität. Aus seiner eigenen großen Erfahrung und bester Kenntnis der einschlägigen Literatur ist es ihm möglich, trotz der Kürze der Darstellung einen ausgezeichneten
Überblick über den Stand der Forschung auf diesem Gebiet zu geben.
Die starke Zunahme der Gewaltverbrechen zeigt am deutlichsten den „unverkennbaren Zug zur Primitivierung“ auf, der diese Nachkriegsperiode charakterisiert. Dies beweisen einmal die Tötungsdelikte und die an sich primitiven Raubdelikte, die, besonders bei Bandentaten, eine bis zum Exzeß gesteigerte Roheit erkennen lassen. Gerade bei den Bandentaten liegt oft eine tiefenpsychologisch besonders interessante Bündelung von Motiven vor. Eine nur vom Tiefenpsychologen zu beantwortende Frage ist die nach den tiefsten, oft einander widersprechenden Antrieben bei Notzuchtverbrechen, bei denen sich nur ein Teil mit einer kindhaften Protesthaltung und dem Einsamkeits- und Ausgestoßenheitsgefühl der Nachkriegszeit erklären läßt.
Besonders aufschlußreich und für die psychologische wie die soziologische Forschung anregend sind B.'s Ausführungen über den durch die Kriegszeit wesentlich beschleunigten Verlauf des sich allgemein vollziehenden „Prozesses der Vermassung und des damit zusammenhängenden Verlustes an Stabilität der Mittelschichten“, die zu den neuen Tatbildern auch einen neuen Täterkreis schaffen, nämlich die kriminellen Jugendlichen aus „guter Familie“; nur zeigt sich, daß in den meisten Fällen diese Jugendlichen nicht aus Familien der alten Mittelschicht stammen, bei der eine verhältnismäßig große Stabilität bestand.
Wichtige Erkenntnisse der neuen Massenpsychologie ergab die Überprüfung der Täter bei Bandentaten. Neben der Einschränkung der Persönlichkeit des Einzeltäters wurde eine Verschiebung im Verhältnis von Intellekt und Willen zugunsten des willensmäßigen Elementes beobachtet, die auch erklärt, daß nicht der geistige Urheber der krimin