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Die Bemühungen um eine gezielte Diagnose, um gesteuerte Reaktionsbeeinflussung in der Therapie, um reine Darstellung und Synthetisierung der Wirkstoffe der Heilmittel, all das, was exaktes Denken und Handeln in der modernen naturwissenschaftlichen Heilkunde ausmacht, hat auch den Aspekt, daß durch solche Rationalisierung ärztlicher Hilfe die Behandlung großer Massen von Patienten ermöglicht werden soll. Am deutlichsten wird dies in den Methoden der Seuchenbekämpfung, aber deutlich genug ist es auch in dem auf die Organ- und Funktionsdiagnose zentrierten Praxisraum des Spezialisten oder dem spezialdiagnostischen Kombinat des Krankenhauses.
Dieser Objektivierungstendenz der Krankheit auf seiten der Ärzte entspricht — wie Ruf und Echo — auf seiten der Kranken eine Bewußtseinsänderung in Richtung einer Objektivierung oder Anonymisierung des Krankheitserlebnisses. Man kann davon sprechen, daß im Zuge der rationalen Durchdringung der Natur ein eigentümlicher Bewußtseinszustand von Leibeigentum des selbstbewußten Individuums sich entwickelt hat. Die Krankheiten schmälern als prinzipiell persönlichkeitsfremde, anonyme Mächte die Freiheit dieser Eigentumsverfügung. Daß die Auslieferung an diese unpersönlichen Mächte verhindert, gemildert wird, erwartet der Patient vom Arzt. Die Anpassung an das Weltbild, vielmehr das Bild von der Natur, wie es die Medizin als angewandte Naturkunde und -wissenschaft sich entwickelte, vollzog sich im öffentlichen Bewußtsein in mehr als einem Jahrhundert immer rascher. Wie groß dabei die Suggestion der Heilmacht geblieben ist — ein unauflösliches Gebilde aus Wissen und Wissen vortäuschendem Prestige — ist eher von Fall zu Fall erweisbar als generell zu formulieren. Man operiert zwar mit dem Prestige eines exklusiven Wissens, aber man argumentiert mit exakt begriffenen, im Experiment wiederholbaren Kenntnissen.
So ergibt sich eine Bewußtseinslage, in der ein psychosomatischer Ansatz im Verstehen von Krankheiten den Arzt nicht weniger überrascht a