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Bei der Ménièreschen Krankheit stehen Schwindel und Schwerhörigkeit im Vordergrund der pathogenetischen Betrachtung, während Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche, Herzklopfen und Blässe als regelmäßige Begleiterscheinungen eines schweren Anfalles aufgefaßt werden. Ménière vermochte nachzuweisen, daß Schwindel auf eine Erkrankung des Labyrinthes zurückzuführen ist. Heute wissen wir, daß verschiedene Krankheitsprozesse zum Ménièreschen Syndrom führen können. Die Hypothese, die heute die meisten Anhänger hat, besagt, daß die von Hallpike und Cairns nachgewiesene Ausweitung der mit Endolymphe angefüllten Räume auf einem Endolymphüberdruck beruht, dessen Ursache in Störungen der Blutversorgung, vor allem in Blutgefäßkrämpfen, angenommen wird. Die mit der Störung der labyrinthären Funktionen einhergehenden vegetativen Erscheinungen im Schwindel werden auf Reizungen des Zwischenhirns zurückgeführt, wobei man auf die Verbindungen des Gleichgewichtsorgans mit dem Auge, dem Kleinhirn, dem Thalamus und gewissen Teilen der Großhirnrinde hinweist, unter der Annahme, daß die Reizung einer Region die Erregung anderer auslösen kann.
Nach der naturwissenschaftlich, kausal-genetischen, auf Experimenten aufgebauten Forschungsrichtung in der Medizin herrschen soweit klare Verhältnisse, die zu den verschiedenen therapeutischen Maßnahmen geführt haben. Die medikamentöse Therapie hilft allerdings nur ausnahmsweise, meist auch nur vorübergehend. Aber da die schweren Schwindelanfälle auf das erkrankte Labyrinth zurückgeführt werden, liegt es nahe, das Labyrinth zu zerstören, zumal eine einseitige Schwerhörigkeit ohnehin schon besteht. Bei geringer Schwerhörigkeit entschließt man sich zur Durchtrennung des Gleichgewichtsnerven. Neuerdings hat man eine Nebenwirkung des Streptomycins, nämlich das häufige Erlöschen der vestibulären Labyrinthfunktionen unter der Streptomycin-Behandlung, zur Therapie bei der Ménièreschen Krankheit erhoben.
Bei diesen verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten ers