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Walder macht aus eigener Sicht in konzentrierter Form und klarer, geraffter Sprache den zumindest interessanten und m. E. auch angemessenen Versuch einer Synopsis der oft scheinbar divergenten und widersprüchlichen Ansatzpunkte und Darstellungen anthropologischer Auffassungen innerhalb der Psychologie und des Werkes von C. G. Jung. Er deutet sie als aus einander entgegenstehenden und einander ergänzenden, polaren Prinzipien herstammend, die Jungs Forscherpersönlichkeit kennzeichneten und damit seinem Werk die eigenartige Prägung gäben. Die „persönliche Gleichung“ Jungs sei charakterisiert durch das dialektische Gegensatzpaar: „wissenschaftliche Skepsis (positivistischrationalistische Auffassung) und metaphysische Ernsthaftigkeit“. Diese polare Spannung ermögliche die empirische, exakte Erfassung psychischer Wirklichkeit, phänomenologische Tatsachenschau als Methode einerseits und andererseits begründe sie die Tendenz, „den empirisch gewonnenen Begriffen ein überempirisches, metaphysisch anthropologisches Fundament zu geben“.
Die Auffassung vom „Polaritätsdenken“ bei C. G. Jung ist der Leitgedanke des Buches. Dabei zentriert Walder aber ausdrücklich seine Untersuchungen um den zweiten Pol, um die philosophischerkenntnistheoretische Stellungnahme Jungs und sucht sie „in einem neuen systematischen Zusammenhang zu sehen und in eine neue Beziehung zur geistesgeschichtlichen Tradition zu bringen.“
Gleich im Beginn der Arbeit skizziert Walder seine These, nach der „die metaphysische Konzeption der Relativität Gottes“ „den unausgesprochenen Hintergrund von Jungs Forschertätigkeit“ bilde. Aus ihr heraus bejahe Jung „die Menschwerdung und die menschliche Geschichte, die zugleich Heilsgeschichte Gottes“ sei. In der Entwicklung dieser Auffassung, die sich besonders in Jungs Bewertung des Individuationsprozesses spiegele, zeichne sich das Überwiegen des metaphysischen Pols in der späten Werkphase Jungs über den skeptischwissenschaftlichen der früheren Phasen