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Dieses Werk des bekannten Psychiaters enthält 39 Arbeiten, die in einem Zeitraum von 40 Jahren entstanden sind. Der größte Teil wurde bereits in den verschiedensten Zeitschriften veröffentlicht. Nach vier Hauptthemen geordnet, finden wir zu etwa gleichen Teilen Aufsätze 1. zur Psychologie, 2. zur Psychopathologie und Psychiatrie, 3. zur Kriminalpsychologie und 4. forensischen Psychiatrie. Die Weite dieses Rahmens, der praktisch alle Gebiete der auf den deutschen Lehrstühlen vertretenen Psychiatrie umfaßt, verbietet ein eingehendes Inhaltsreferat.
Gegenüber allen tiefenpsychologischen Richtungen der Psychiatrie hebt sich Gruhle's Auffassung von „Verstehen und Einfühlen“ scharf ab. Gerade die Weise, in der er diese in der Pychologie zentraler Begriffe kennzeichnet, läßt Gruhle als den Repräsentanten des analytischen Verstandes in der deutschen Psychiatrie erscheinen. Seine analytische Vernünftigkeit bezeugt sich in seiner hervorragenden Fähigkeit zum Unterscheiden, Präzisieren, zum sauberen begrifflichen Klären. Es fällt ihm leicht, durch die Aufdeckung von Widersprüchen in den Positionen Freuds und Jungs die Psychoanalyse als ein magisches Spiel von Symboldeutungen ohne jeden Wissenschaftswert zu erweisen, so etwa in der achtseitigen Arbeit „Kritik der Psychoanalyse“, die 1950 erschien. „Die Psychoanalytiker sind“, schreibt er darin, „Zauberer, Magier, Dichter, bald auf tiefstem banalem Niveau (Sadger), bald in Anwendung gepflegter Bildung (Jung), aber sie stehen wie jeder Dichter außerhalb wissenschaftlicher Kritik.“
Der von der Tiefenpsychologie berührte Leser wird aber bei aller Anerkennung für die begriffliche Prägnanz und die reiche Bildungswelt Gruhles zu sagen versucht sein: Analytischer Verstand ist nicht genug. Er wird mit H. S. Sullivan, dem wohl bedeutendsten Initiator der dynamischen Psychiatrie in den USA, Verstehen und Einfühlen in einer „participant observation“, einer teilnehmenden Beobachtung begründet sehen. In diesem Prozeß wechseln teilnehmendes Ein