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Verfasser, dem wir seit Jahrzehnten wertvolle Bücher und Aufsätze aus verschiedenen Gebieten der Kinderpsychologie verdanken, gibt hier eine Zusammenfassung seines Bemühens um das neurotische Kind. Das Buch hat gegenüber anderen aus dem Lager der Kinderpsychiatrie den Vorzug, ohne Voreingenommenheit die Erfahrungen der Psychoanalyse zu verwerten und ausführlich über die heute gebräuchlichen psychotherapeutischen Behandlungsmethoden im Kindesalter zu berichten. Der aus dem englischen bzw. französischen Sprachbereich übernommene Titel: „Verhaltens- und Charakterstörungen“, der diskret die mitwirkenden exogenen und endogenen Komponenten andeutet, ist gut gewählt, da die im deutschen Sprachgebiet üblichen Begriffe der Psychopathie bzw. Neurose in der Auseinandersetzung zwischen Psychiatrie und Psychoanalyse stark affektbesetzt erscheinen.
Wenn Verf. auch weitgehend psychoanalytische, allerdings vorwiegend von der Individualpsychologie herstammende, und damit das soziologische Moment in den Vordergrund rückende Gedankengänge verarbeitet, so ergibt sich doch aus seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im kinderpsychiatrischen Bereich, besonders der französischen Schule, daß er das erziehungsschwierige Kind vorwiegend aus dem Blickwinkel des Psychiaters sieht. So stellt er auch seiner Arbeit ein kinderpsychiatrisches Diagnosenschema voran. Aber schon hier wie auch in der nachfolgenden Schilderung der charakterologischen Symptomatik, vor allem aber in den Hauptkapiteln des Buches über die endogenen und exogenen Ursachen der Verhaltens- und Charakterstörungen wird die Problematik der nur psychiatrischen Fragestellung offensichtlich, die uns zwar in einer kaleidoskopartigen Sicht von verwirrender Fülle und Buntheit Einblicke in die verschiedensten Reaktionsmöglichkeiten des Kindes gibt, ohne jedoch überzeugend zeigen zu können, warum gerade ein bestimmtes Verhalten eine spezielle Wertigkeit hat und nicht in einer anders deutbaren Situation die gleiche Reaktion auslöst. Der psychoana