You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vorauszuschicken ist, daß Harms, der sich über 25 Jahre mit der Erforschung und Behandlung psychischer Störungen des Kindesalters beschäftigt hat, keine der großen Schulen der Psychotherapie speziell repräsentiert. Er vertritt vielmehr den Standpunkt, daß jeweils die Methode anzuwenden sei, die der Struktur des Kindes am meisten entspricht. Ebenso hat er die Einstellung, niemals mit bestimmten Vorsätzen an einen Patienten heranzugehen, sondern sich von der einmaligen individuellen Eigenart des Kindes zu der hierfür am günstigsten erscheinenden Behandlungsart führen zu lassen. Sein zum Teil aus Veröffentlichungen der letzten 20 Jahre zusammengestelltes Buch erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit, sondern der Autor wählt die praktischen Erfahrungen aus, die ihm besonders am Herzen liegen und gibt dadurch jedem, der sich mit Kindertherapie beschäftigt, manche wertvolle Anregung. Leider kann in einem Referat nur wenig von dem angedeutet werden, was hier durch lebendige Falldarstellungen — jeweils für die verschiedenen Phasen der Kindheit — ausführlich dargestellt wird.
Die hervorragende Bedeutung von Vater- und Mutterimagno im Leben eines jeden Kindes wird in einem Kapitel „Paternus und Materna“ hervorgehoben. Der wechselnde Einfluß dieser Bilder bei den verschiedenen Geschlechtern und in den einzelnen Phasen der Kindheit wird eingehend beschrieben und auf recht beeindruckende Weise deutlich gemacht. Erwähnt sei hier nur die Betonung der Notwendigkeit eines positiven Vaterbildeinflusses für die normale Ichentwicklung, weil ein negatives Erleben dieser Beziehung im Anfangsstadium von Schizophrenie eine Rolle spielen kann.
Da nach Ansicht des Verfassers die Diagnose Schizophrenie (ähnlich wie früher Hysterie) viel zu häufig gestellt wird, betont er die Wichtigkeit, beide Krankheitsbilder klar gegen andere Störungen abzugrenzen, um therapeutische Fehler zu vermeiden. Bei Schizophrenie, wo vor allem eine Schwächung, Mißbildung oder sogar Auflösung der Ichstruktur vorli