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Auf Einladung der Kanadischen und Amerikanischen Gesellschaften für Psychologie fand vom 7.—12. Juni der XIV. Internationaie Kongreß für Psychologie in Montreal in Kanada statt. Die etwa 130 Referenten und Diskussionsredner des Kongresses zentrierten ihre Bemühungen auf eine begrenzte Auswahl von psychologischen Themen. Das starke Übergewicht der Angelsachsen auf diesem Kongreß äußerte sich in der Tatsache, daß experimentalpsychologische und testpsychologische Studien die phänomenologischen und charakterologischen Beiträge bei weitem überwogen. 25 Referenten beschäftigten sich mit Fragen aus der Wahrnehmungspsychologie und zeigten derart den bleibenden Einfluß von Wilhelm Wundt, der etwa zur Zeit des Kongresses vor 75 Jahren in Leipzig das erste Psychologische Institut der Welt gründete und die damit geschaffene selbständige Disziplin der Psychologie weitgehend an der experimentellen Analyse der Wahrnehmung orientierte. Die Reichweite der Referate auf wahrnehmungspsychologischem Gebiete, die auf verschiedene Sitzungen verteilt waren, erstreckte sich von so speziellen Fragen wie der des Farbensinnes bei Katzen bis hin zu allgemeinen Problemen der Beziehungen zwischen Individuum und Welt.
Ein zweites Hauptarbeitsgebiet der angelsächsischen Psychologie, zugleich das ausschließliche der russischen Psychologie, stellte einen weiteren Schwerpunkt der Referate und Diskussionen dar. Es handelt sich hier um jene experimentelle Analyse tierischen und menschlichen Verhaltens, die sich im Anschluß an Sechenew, Pawlow und Watson zu einer internationalen Schule des Behaviorismus entwickelte und die in deutlicher Opposition zu jeder Art von beschreibender oder deutender Psychologie steht. Während die Amerikaner in Montreal einige neuere Anwendungen der behavioristischen Forschungsmethodik gerade beim Menschen zeigten, erhielt der Kongreß seine besondere Bedeutung und Eigenart durch das Auftreten einer sowjetrussischen Psychologengruppe, die ganz im Sinne von Pawlow experimentierte